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Störungen im Ökosystem Wald

Göttinger Arbeitsgruppe untersucht Schädlingsbefall Störungen im Ökosystem Wald

630000 Gifthaare hat eine einzige Raupe des Eichenprozessionsspinners. 45000 Hektar Fichtenwald hat die Nonne, ebenfalls eine Raupe, im Jahr 2003 in Brandenburg zerstört. Mit den Auswirkungen des Schädlingsbefalls auf Natur und Mensch beschäftigt sich eine Göttinger Forschergruppe.

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Befall durch die Raupen des Eichenprozessionsspinners.

Quelle: LWF

Göttingen. Die Arbeitsgruppe Envirus (Environment under Stress) am Forstwissenschaftlichen Fachbereich der Universität Göttingen untersucht die Störungen im Waldökosystem. „Dabei betrachten wir auch die Kohlenstoffdynamik“, so  Dr. Anne Arnold, Leiterin der Gruppe. Bislang habe der Wald immer als Kohlenstoff(CO2)-Senke fungiert. Durch den Klimawandel und das massenhafte Auftreten von Insekten könne man beobachten, wie er sich in der nördlich Hemisphäre teilweise zu einer CO2-Quelle entwickele. Erste Daten dazu lägen aus Kanada und Deutschland vor.

Aber auch der Einfluss auf die menschliche Gesundheit, vor allem beim Eichenprozessionsspinner, macht genaue Untersuchungen notwendig. Die Gifthaare der Raupe können Asthma, Bindehautentzündung und schwere Hautausschläge verursachen. Die Falter und ihre Raupen „sind Gewinner des Klimawandels und dringen immer mehr in den urbanen Raum vor“, erklärt Arnold.

Das Team erhebt umfangreiche Daten: warum gibt es Bäume, die befallen werden, andere dagegen nicht? Was landet da auf dem Waldboden, bei übermäßigem Schädlingsbefall? Wie verändert das den Boden? „Es rieselt richtig um einen herum, wenn man durch befallene Gebiete geht“, beschreibt die Doktorandin Maren Grüning. Was da rieselt, ist der Kot von tausenden Raupen. Und auch die abgestorbenen Raupen landen auf dem Boden. Jede Menge Biomasse, die zersetzt werden muss. 

Die Wissenschaftler untersuchen Wasserproben, beispielsweise auf PH-Werte, Fette und Phenole. Sie nehmen Nadel- und Wurzelproben, fangen die Ausdünstungen der Stämme auf und analysieren sie ebenso wie Nährstoff- und Randbedingungen, wie den Bewuchs in der Umgebung einzelner Waldgebiete. Die Untersuchungsgebiete der Gruppe liegen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Sachsen.              

Problematisch sei auch, so Arnold, dass die Störungen durch Insektenbefall immer schneller hintereinander auftreten.  Das sei bestandsgefährdend. Die Natur allerdings suche sich ihren Weg. Es entstünden dann eben Habitate für andere Arten. Die wirtschaftliche Nutzung aber sei in Gefahr und die Holzqualität lasse nach. Noch sei kein goldener Mittelweg gefunden zwischen Naturschutz und Nutzung.

Über die Arbeitsgruppe:

Die Arbeitsgruppe Envirus besteht seit 2014 und wird sowohl von der Deutschen Forschungsgemeinschaft als auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Zum Team gehören neben Forstwirten auch Geowissenschaftler und Mikrobiologen. Kooperationspartner sind unter anderem die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt und das Potsdam Institute for Climate Impact Research.

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