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Was darf Kunst in der Mensa?

Sexismusvorwürfe gegen Ausstellung „Geschmackssache“ Was darf Kunst in der Mensa?

Weil Zeichnungen mehr oder weniger nackter Geschlechtsteile die Zentralmensa des Göttinger Studentenwerks schmücken, gibt es Streit: Bei der Gleichstellungsbeauftragten der Universität haben sich Studierende über die Ausstellung „Geschmackssache“ beschwert.

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Eines der Werke aus der Ausstellung.

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Göttingen. Ein steifer Penis, über den sich die Boxershorts spannt, dazu das Statement „will kommen“ - die Zeichnungen von Marion Vina sind der Künstlerin zufolge „ein Versuch, wieder zurück zu einer normalen Sexualität und Erotik zu kommen“. Und weil ihre Werke Teil der Ausstellung „Geschmackssache“ sind, prägen gezeichnete Brüste, Hintern und provokante Sprüche derzeit eine kleine Ecke in der Zentralmensa. Bei den Besuchern fallen die Reaktionen gemischt aus: „Lustig“ seien die Bilder von Vina, sagen einige.

„Irritierend“ sagen andere, zumal auffalle, dass bei den ausgestellten Werken nackte Frauenkörper überwiegen. Daran stören sich auch die Kritiker, die sich jüngst zu Wort meldeten: Von „idealisierten und normschönen Frauenkörpern“ ist auf Facebook die Rede. Die studentische Wohnrauminitiative unterstellt den Werken in einem offenen Brief an das Studentenwerk die „Objektifizierung“ von Frauen. Und auch die Gleichstellungsbeauftragte der Universität teilt laut Pressestelle die Einschätzung, dass die Werke einen diskriminierenden und sexistischen Inhalt haben.

Freiheit der Kunst

Das für die Ausstellung verantwortliche Kulturbüro des Studentenwerks hingegen beruft sich auf die Freiheit der Kunst: Man sei sich im Klaren, dass sich immer mal wieder jemand von Satire angegriffen, beleidigt oder in seinen Gefühlen verletzt fühlen könnte. „In einer offenen, freien und demokratischen Gesellschaft muss allen zugemutet werden, das auszuhalten“, heißt es weiter in einem Aushang, der neben den Werken platziert ist.

Über diese Stellungnahme ärgert sich die Wohnrauminitiative allerdings erst recht: „Sie haben nicht das Recht, zu definieren, wodurch sich Besucherinnen diskriminiert fühlen“, schreibt das Bündnis, zumal es nicht um Zensur gehe: Schließlich könnten die Werke auch in einer Galerie ausgestellt werden, wo sie nur interessierte Besucher sehen. In einer weiteren Stellungnahme zeigte das Studentenwerk allerdings wenig Verständnis: Geschäftsführer Jörg Magull bekräftigte auf Tageblatt-Nachfrage, dass das Studentenwerk die Freiheit der Kunst höher als die Betroffenheit Einzelner bewerte.

Von Christoph Höland

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