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Streit um Politik-Professor

Sozialwissenschaftler befürchten „Marginalisierung der Fakultät“ Streit um Politik-Professor

Die Universitätsleitung hat entschieden, die Stelle des Politikwissenschaftlers Samuel Salzborn nicht zu verlängern. Damit übergehe das Präsidium einen Beschluss der sozialwissenschaftlichen Fakultät und marginalisiere diese, meint der Fachschaftsrat.

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Die Professur von Samuel Salzborn ist das Thema auf dem Göttinger Campus.

Quelle: Vetter

Der Fakultätsrat als höchstes Gremium der sozialwissenschaftlichen Fakultät hatte sich nach Tageblatt-Informationen einstimmig für eine Verlängerung um fünf Jahre der Stelle des, dem FSR zufolge „bei Studierenden sehr beliebten“, Professors ausgesprochen. Derzeit hält Salzborn eine befristete Professur für Grundlagen der Sozialwissenschaften am Institut für Politikwissenschaft, die Universitätssprecher Romas Bielke zufolge neu ausgeschrieben werden soll.

Darüber, dass das Präsidium der Entscheidung der Fakultät nicht gefolgt ist, herrscht Unverständnis bei den Studierenden: Salzborn habe durch „innovative didaktische Lehrexperimente“ überzeugt und sei eine „tragende Säule des Bachelorstudiengangs Sozialwissenschaften“, schreiben die Mitglieder des FSR im offenen Brief. Zudem sei er „einer der profiliertesten Vertreter der Antisemitismusforschung im deutschsprachigen Raum“. Weil das Präsidium zu Personalangelegenheiten grundsätzlich keine Stellung nehme, kommentierte Bielke die Entscheidung nicht.

Salzborn war noch im Dezember vom Stiftungsrat der Universität Göttingen für die Vermittlung von Forschungsergebnissen in der Öffentlichkeit ausgezeichnet worden – unter anderem wegen seiner Veröffentlichungen in den Feldern Rassismus und Rechtsextremismus. Dass nach Ansicht der Fachschaftsmitglieder mit der Nicht-Verlängerung der Salzborn-Stelle eine „de facto Abschaffung der Rechtsextremismusforschung“ an der Universität Göttingen erfolge, entkräftigte Bielke: Ihm zufolge will die Universität zeitnah beim Land Niedersachsen die Einrichtung einer „wissenschaftlichen Dokumentationssstelle zur Analyse und Bewertung von Demokratiefeindlichkeit und politisch motivierter Gewalt“ beantragen.

Über das von der rot-grünen Landesregierung geplante Vorhaben steht das Universitätspräsidium nach Tageblatt-Informationen schon seit einiger Zeit in Verhandlungen mit dem Innenministerium in Hannover. Ursprünglich war nach Tageblatt-Informationen Salzborn als Leiter der Einrichtung vorgesehen. Den entsprechenden Vorschlag aus Hannover hatte das Präsidium aber im Winter abgelehnt.
Nun muss Salzborn die Universität verlassen. Sein Vertrag endet mit dem Sommersemester 2017. Den Betrieb der Dokumentationsstelle soll nach Bielkes Angaben die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) übernehmen – für den FSR einer der Gründe, angesichts der Entscheidungen des Präsidiums eine „Marginalisierung der Sozialwissenschaftlichen Fakultät“ zu befürchten. Dem trat Bielke entgegen: Präsidentin Ulrike Beisiegel wolle sich zeitnah mit den Studierenden treffen, um über Vorhaben zur Stärkung der Fakultät zu reden.

Von Christoph Höland

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