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Streit zwischen Hochschulen und VG Wort eskaliert Zurück zum Semesterapparat

Wenn Studierende für Seminare Texte lesen müssen, dann finden sie diese meist im Universitäts-Intranet. Aber weil sich niedersächsische Hochschulen nicht mit der zuständigen Verwertungsgesellschaft einigen können, ist damit auch an der Universität Göttingen bald Schluss.

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Wie zahlreiche andere Hochschulen will sich deshalb die Universität Göttingen nicht an dem neuen Verfahren beteiligen - mit der Folge, dass die Stud.IP-Nutzung dramatisch eingeschränkt wird.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Hintergrund ist ein Konflikt zwischen Hochschulen und der Verwertungsgesellschaft (VG) Wort: Diese hatte sich kürzlich mit der deutschen Kultusministerkonferenz auf einen neuen Rahmenvertrag zur Erfassung und Vergütung von Schriftwerken in Hochschul-internen Netzwerken geeinigt. Doch vor allem die vereinbarte Einzelerfassung jedes Textes stößt der niedersächsischen Landeshochschulkonferenz (LHK) übel auf: Sie befürchtet einen „unverhältnismäßigen Aufwand“ für die Lehrenden und verweist auf einen Modellversuch mit dem System: Dabei sei an der Universität Osnabrück die Intranet-Nutzung regelrecht „eingebrochen“, so die LHK.

Wie zahlreiche andere Hochschulen will sich deshalb die Universität Göttingen nicht an dem neuen Verfahren beteiligen - mit der Folge, dass die Stud.IP-Nutzung dramatisch eingeschränkt wird. Auf der Intranetplattform der Universität müssen ab 2017 sämtliche urheberrechtlich geschützten Werke wie Bücher oder Beiträge aus Fachzeitschriften gelöscht werden, kündigte die Universität jetzt an.

Stattdessen werden Studierende dort bestenfalls Links zu Fachzeitschriften oder Artikel unter der Creative-Commons-Lizenz finden. Weiter heißt es auf einer eigens für die VG-Wort-Kontroverse eingerichteten Homepage: Wenn das nicht möglich sei, könnten Lehrende außerdem Texte in klassischen Semesterapparaten bereitstellen, also in Form von Ordnern in der Bibliothek.

Mit solchen Einschnitten mache die Universitätsleitung die Studierenden zu den Leidtragenden, findet die AStA-Vorsitzende Vivien Bohm. „Wir Studierende müssen dann in die Bibliothek laufen und uns die Texte für die Seminare kopieren“, kritisiert sie. Dass Dozenten auf nicht urheberrechtlich geschützte Materialien zurückgreifen, erwartet sie nicht: Das Heraussuchen bedeute schließlich einen „noch nicht abschätzbaren Mehraufwand“.

Trotzdem hält Bohm die Position der Universitätsleitung für nachvollziehbar, schließlich seien die neuen Regelungen der VG Wort „insgesamt eine Rolle rückwärts und stehen gegen sämtliche Digitalisierungsbestrebungen.“ Sie hofft deshalb auf Neuverhandlungen und ist damit nicht allein: Eine sinnvolle Lösung sei nur möglich, wenn die VG Wort zu Verhandlungen über pauschale Vergütungsregelungen zurückkehre, teilte Sprecher Jan Haude vom Wissenschaftsministerium in Hannover mit.

Inwiefern das realistisch ist, bleibt abzuwarten: VG-Wort-Vorstand Robert Staats erklärte, seine Gesellschaft sei für Gespräche offen - auf Basis des jetzt geschlossenen Rahmenvertrags, der pauschale Vergütungen nicht vorsieht.

Von Christoph Höland

Die Verwertungsgesellschaft

Die Verwertungsgesellschaft (VG) Wort vertritt die Interessen von Urhebern sogenannter Schriftwerke. Im Hochschulkontext sind davon vor allem wissenschaftliche Publikationen in Büchern und Fachzeitschriften betroffen. Diese konnten Hochschulen bisher ausschnittweise auf Intranetplattformen wie Stud.IP verfügbar machen.

Dafür zahlten sie ohne aufwendige Dokumentation eine Pauschalsumme - womit nach dem Willen der VG Wort nun Schluss sein soll.  Sie fordert stattdessen eine „nutzungsbezogene Abrechnung“, also die Erfassung jedes einzelnen online verfügbaren Textes.

Rückendeckung erhielt sie dabei 2013 vom Bundesgerichtshof, der die Forderung als zumutbar einstufte. Anfang Oktober hat sich deshalb die Kultusministerkonferenz mit der VG Wort auf einem Rahmenvertrag verständigt.

Dieser sieht unter anderem vor, dass sämtliche urheberrechtlich relevanten Texte aus den Intranetplattformen einzeln über ein Online-System der VG Wort gemeldet werden müssen.

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