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Göttingen Streitlust der Philosophen
Campus Göttingen Streitlust der Philosophen
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12:27 05.01.2017
Für fünf Monate war Isaak Bischof in Ninive – hier die Rekonstruktion eines Stadttors.          Quelle: R
Göttingen

Über den streitbaren Heiligen, der den Streit nicht schätzte, sei wenig Verlässliches bekannt, erklärte der Theologe in seinem Beitrag zur Vorlesungsreihe „Religiöse Bildung in historischer Perspektive“ 30 Zuhörern. Isaak habe während der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts im islamischen Reich der Omayyaden gelebt. Er sei Mitglied der nestorianischen Kirche des Ostens gewesen, einer aus Sicht der Christen in Rom und Byzanz nicht rechtgläubigen Gemeinschaft.

„Das Oberhaupt der Kirche machte Isaak zum Bischof in der heute nordirakischen Stadt Ninive“, führte der Privatdozent aus. Der Heilige habe das Amt jedoch bereits nach fünf Monaten wieder abgegeben, um im heutigen Iran ein Leben als Einsiedler zu führen. „Er stand in lockerem Kontakt zu einem Kloster, dessen Gottesdienste er besuchte“, so der Theologe. In dieses Kloster sei Isaak übergesiedelt, als er im Alter erblindete. Dort hätten wahrscheinlich Schüler seine Belehrungen in fünf Bänden niedergeschrieben.

„Der Kirche des Ostens war die religiöse Bildung der Gläubigen wichtig“, betonte der Kenner des orientalischem Christentum. Ihnen seien die Schriften der griechischen Philosophen bekannt gewesen. Die aristotelische Logik habe sich der Wertschätzung der Theologen erfreut. Den Mönchen, die das Einsiedlertum schätzten, sei der Schulbetrieb dagegen allein schon wegen der mit ihm verbundenen Unruhe lästig gewesen.

„Isaak wollte die Lektüre der Mönche am liebsten auf die Bibel, oder – noch besser – auf das Neue Testament, beschränken“, sagte Bumazhnov. Im übrigen sollten sie Bücher lesen, die eigens für sie geschrieben worden sein. Isaak habe eine Liste verbotener Werke aufgestellt, in denen kritisierte Philosophen wie Aristoteles allerdings gefehlt hätten. Nach Einschätzung Isaaks bilde das empirische Wissen nur die Leiter hinauf zur höchsten Form des Wissens, das aus der mystischen Erfahrung Gottes resultiere. Der Einsiedler erlange es durch Askese.

Eine Gegenposition dazu habe bereits im sechsten Jahrhundert der nestorianische Theologe Paul der Perser bezogen. Aus seiner Sicht unterliege alles, was geglaubt werde, dem Zweifel und führe zu Spaltung. Der Philosoph erlange dagegen das wahre Wissen aller Dinge, das über jeden Zweifel erhaben sei und so die Einheit fördere.

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