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Studenten debattieren über Transplantationsmedizin in Deutschland

Zustimmung oder Widerspruch? Studenten debattieren über Transplantationsmedizin in Deutschland

Die aktuelle Lage der Transplantationsmedizin in Deutschland ist vor dem Hintergrund des herrschenden Organmangels problematisch. Göttinger Jura- und Medizinstudenten haben darüber diskutiert und vor allem eine erheblich bessere Information über Organentnahme und Hirntoddiagnostik gefordert.

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Organspenden bedeuten für Empfänger oftmals Lebensrettung. Die rechtlichen Vorgaben für Transplantationen sind in der Diskussion.

Quelle: dpa

Göttingen. In der Debatte zum Semesterabschluss ging es insbesondere um die Änderung der rechtlichen Vorgaben. Die Teilnehmer des Seminars der Professoren Gerd Anton Müller, Nephrologe und Intensivmediziner an der Universitätsmedizin Göttingen, und Gunnar Duttge, Medizinrechtler an der Juristischen Fakultät der Universität Göttingen, diskutierten kontrovers. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, ob es bei der grundsätzlichen Zustimmungsbedürftigkeit der Organentnahme durch den Spender selbst oder wenigstens durch die Angehörigen („erweiterte Zustimmungslösung“) bleibt oder – nach dem Vorbild Österreichs oder Spaniens – ein jeder Bürger bis zur ausdrücklichen Erklärung eines Widerspruchs als potentieller Organspender angesehen werden sollte („Widerspruchslösung“). Hier blieb es bei unterschiedlichen Standpunkten.

Einig waren sich die künftigen Mediziner und Juristen darin, dass die jüngste Initiative der Bundespolitik zur Steigerung der Organspenderzahlen mit Informations- und Werbebriefen durch die Krankenkassen “eher als sinn- und hilfloser Aktionismus anzusehen ist.” Erheblichen Informationsbedarf sahen die nach Angaben ihrer Professoren engagiert miteinander streitenden Studenten in Bezug auf die konkreten Abläufe einer Organentnahme, der zumeist maximalintensivmedizinische Maßnahmen zur Erhaltung der Organe vorausgehen. Zudem bestehen in der Bevölkerung offenbar erhebliche Unsicherheiten über den „Hirntod“ sowie vor allem über Ablauf und Verlässlichkeit der Hirntoddiagnostik.

Weithin unbekannt ist ebenfalls, dass eine Organspendeerklärung mit einer gleichzeitig verfassten Patientenverfügung kollidieren kann: Hier sollte unbedingt ärztlicher Rat aufgesucht und eine schriftliche Erklärung formuliert werden, welches Dokument dann Vorrang haben soll. Gegenüber der Idee eines Anreizmodells zur vermehrten Abgabe von Organspendeerklärungen etwa in Form einer Übernahme der Bestattungskosten oder eines Bonus auf der Warteliste bei eigener Bedürftigkeit zeigten sich die Studenten eher skeptisch.

“Im Ganzen zeigte sich, dass auch in Zeiten von Bologna und Creditpoints ein intensiver Dialog zwischen Lehrenden und Lernenden über die Fachgrenzen hinweg die Horizonte erweitern kann”, lautete die Meinung über das Angebot. jes

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