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Studenten sammeln Geld für Fahrkarten

Flüchtlingshilfe Studenten sammeln Geld für Fahrkarten

Bildung darf nicht an einem fehlenden Semesterticket scheitern, meint die Göttinger Hochschulgruppe Conquer Babel („Erobere Babel“). Sie sammelt per Crowdfunding Geld, um Flüchtlingen die Fahrtkosten zu finanzieren. 50 Asylsuchende besuchen derzeit als Gasthörer die Göttinger Universität.

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Kommt aus Walkenried zum Studieren nach Göttingen: Marwa Alashqar mit ihrer deutschen Kommilitonin, Katharina Berner.

Quelle: R

Göttingen. Die Studenten leben in Heiligenstadt, Salzgitter oder Walkenried. Neun der 50 Gasthörer müssen täglich weite Strecken zur Universität zurücklegen. „Solange unser Aufenthaltsstatus nicht geklärt ist, dürfen wir nicht nach Göttingen ziehen“, erklärt Marwa Alashqar (22). Die Syrerin lebt mit ihren Eltern und den beiden jüngeren Brüdern seit September in Walkenried. Fast zwei Stunden braucht sie für die Fahrt nach Göttingen.

„In Damaskus habe ich vier Jahre lang Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Banken und Versicherungen studiert“, erzählt sie. Ihre Abschlussprüfung habe sie nicht mehr ablegen können. Die Eltern hätten sich zur Flucht entschieden, als ihr Bruder vom Assad-Regime zum Militärdienst eingezogen werden sollte, so die Muslima. Über die Türkei und Griechenland seien sie nach Deutschland gekommen.

Weil Alashqar weiter studieren wollte, nahm sie Kontakt zur Georg-August-Universität auf. Mit 150 anderen Flüchtlingen bewarb sie sich um einen Platz als Gasthörerin. 50 wurden ausgewählt. Jedem hat die Hochschule einen Kommilitonen zur Seite gestellt. Er hilft ihnen, sich an der Universität zurechtzufinden. Alashqar bekommt Unterstützung durch Katharina Berner (25), die gerade ihren Master in Betriebswirtschaft macht. Berner hat ihr die Nutzung der Mensa und der Bibliothek erklärt und sie bei Behördengängen begleitet. „Ich möchte helfen“, erklärt Berner ihr Engagement. Sie profitiere davon selbst. So habe sie aus dem Gesprächen mit Alashqar einiges über die Lage in Syrien und den Islam erfahren.

Als Gasthörerin besucht die Syrerin einen Deutschkurs an der Uni sowie zwei Veranstaltungen. „Eine ist auf Englisch, das geht sehr gut“, berichtet Alashqar. Eine Herausforderung sei die Einführung in die Wirtschaftswissenschaften, obwohl diese eigens für ausländische Studierende angeboten werde.

„Die Gasthörer kommen vor allem aus Syrien, Irak und Afghanistan“, berichtet Manik Chander (28), die das Crowdfunding-Projekt leitet. Sie betreut zudem als studentische Hilfskraft die Studierenden, die sich um die Gasthörer kümmern. Das Alter der Gasthörer liege zwischen 18 und 35 Jahren, führt Chander aus. Die meisten wollten Wirtschaftswissenschaften oder Informatik studieren. Einzelne interessierten sich aber auch für Physik, Chemie oder Kunstgeschichte. Für viele sei es eine Überraschung, dass sie in Deutschland ihr Studienfach frei wählen könnten.

www.betterplace.org/p41872

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