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Studenteninitiative grillt mit Flüchtlingen

Deutsch-Lehrbücher im Rucksack Studenteninitiative grillt mit Flüchtlingen

„Im Irak hat mittlerweile jede Familie Angehörige im Krieg und durch Terroranschläge verloren“, sagt Ahmed Al-Izzy (42). Viele wollten daher das Land verlassen, so der Elektroingenieur. Er gehörte zu den 50 Teilnehmern eines Grillabends, den die studentische Initiative Conquer Babel in Göttingen ausgerichtet hat.

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Quelle: r

Göttingen. Flüchtlinge mit Einheimischen ins Gespräch bringen, ist eines der Ziele der Initiative, die außerdem Sprachkurse anbietet und Übersetzer stellt. Al-Izzy lebt seit einem Jahr in Göttingen. Im Innenhof der katholischen Gemeinde St. Michael, wo das Fest stattfindet, holt er seine Deutsch-Lehrbücher aus dem Rucksack. Sprechen will er jedoch lieber Englisch. Um endlich wieder arbeiten zu können, hat er seine Zeugnisse übersetzen lassen und Bewerbungen geschrieben, bisher vergebens.

Spielend leicht erscheint Mulham Khalifeh (27) die deutsche Grammatik. Seit eineinviertel Jahr ist er in Deutschland. Arabisch sei viel kompilizierter, meint der Lehrer, der seine Muttersprache im syrischen Daraa an einer Schule unterrichtet hat. Als ihn das Assad-Regime zum Militärdienst einziehen wollte, sei er geflohen, erzählt er. Er habe niemanden töten wollen. Nun lerne er Deutsch, um später als Übersetzer oder Arabisch-Lehrer tätig seien zu können.

In einem Baumwolle verarbeitenden Betrieb war Agraringenieur Yasser Sheikhj (45) in den vergangenen zwölf Jahren tätigt. Aus Angst, seine Frau und die beiden Kinder bei Bombenanschlägen zu verlieren, sei er vor sieben Monaten mit seiner Familie nach Deutschland gekommen, sagt der Kurde aus der syrischen Provinz Hasaka.

Aus dem Iran stammt Mohammad Sahihi (27), der an der Universität Göttingen seinen Master in Informatik macht. Er sei kein Flüchtling, wolle aber helfen. Er kümmere sich vor allem um die Afghanen, von denen auch in seiner Heimat viele als Flüchtlinge lebten. Gemeinsam hätten sie das Frühjahrsfest Newroz gefeiert.

„Ich engagiere mit bei Conquer Babel, weil das staatliche Angebot für die Flüchtlinge nicht ausreicht“, berichtet Sören Bock (29), der Psychologie studiert. Er kümmere sich um die Finanzen der Initiative.

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