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Studentischer Vize-Präsident?

Studentische Hochschulgruppen auf vielen Themenfeldern unterwegs Studentischer Vize-Präsident?

Mitarbeiter und Studenten der Universität Göttingen wählen ihre Interessenvertreter bei den Hochschulwahlen vom 19. bis 21. Januar. Die studentischen Hochschulgruppen haben dabei unterschiedliche Vorstellungen, wie Hochschulpolitik aussehen soll.  

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An der Universität geht es für alle wieder an die Urnen.

Quelle: SG

Göttingen. Neun Hochschulgruppen schicken ihre Kandidaten ins Rennen um die Sitze im Studierendenparlament, welches dann wiederum die „Studenten-Regierung“ wählt, den AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss). Wahlkampf findet im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) statt – mit Kaffee, Kakao, Würstchen und „upgecycelten“ Kronkorken.

Die vier Gruppen, die sich dort der Hochschulöffentlichkeit stellen, stellen wir kurz vor:

  •  GHG:  Vorab – die „Grünen“ sind keine Hochschulorganisation der Partei „Die Grünen“. An der Uni wollen sie sich dafür einsetzen, dass etwa doppelseitige Ausdrucke weniger kosten als zwei Seiten einzeln. Langzeitstudiengebühren gehörten abgeschafft, Regelstudienzeit und verschultes Studium sind Irrwege. Service für die Studenten ist eine Selbstverständlichkeit, darüber hinaus bekennt man sich klar zum allgemeinpolitischen Mandat – auch für nicht universitäre gesellschaftliche Themen will man sich einsetzen, etwa gegen Rechts.
  • RCDS: Die Studentenorganisation der CDU hat sich serviceorientierte Hochschulpolitik auf die Fahnen geschrieben, ein allgemeinpolitisches Mandat lehnt sie ab, Interessensvertretung nur für Studenten. Preisstabilität bei den Semestertickets und eventuell ein Ticket für Fernbusse werden angestrebt. Ebenso sollen GEZ-Gebühren für Studenten abgeschafft werden. Auch die Sanierung der ZHG-Toiletten steht auf der Agenda.
  • ADF: Der Zusammenschluss von einzelnen Fachschaften ist ebenfalls rein serviceorientiert und nicht allgemeinpolitisch unterwegs. Hochschulintern wird großes Augenmerk auf die Umsetzung der Hochschulgesetzesnovelle gelegt, dazu gehört die Abschaffung der Anwesenheitspflicht und die Möglichkeit eines studentischen Vize-Präsidenten. Weiteres wichtiges Thema neben den Serviceleistungen für Studenten ist die Internationalisierung der Uni.
  • Jusos: Die Hochschulgruppe der SPD bekennt sich ebenfalls klar zu einem allgemeinpolitischen Mandat mit Aktionen und Informationen zu gesellschaftlich wichtigen Themen. An der Baustelle BaföG will man, auch über die Partei , stärker arbeiten – Erhöhung und Elternunabhängigkeit sind die Stichworte.  Gleichzeitig will man Flüchtlingen und Studenten aus bildungsfernen Schichten einen besseren Start in der Hochschule ermöglichen.

Kommentar

Es ist eine alte Streitfrage: Sollen sich Hochschulgruppen auch für andere Themen einsetzen, als jene, die nur Studenten direkt betreffen? Also etwa für Flüchtlinge und entmilitarisierte Außenpolitik oder gegen Sexismus und Atomkraft? Oder eben nur Service für die eigenen Studenten anbieten?

Vor zehn Jahren gab es diese beiden Seiten bereits. Es war ein gewisses Reizthema, doch heute scheint es viel stärker als Bruchlinie zu taugen – sprich: wichtiger zu sein. Von sich aus stellen die Gruppen heraus, entweder für oder gegen das „allgemeinpolitische Mandat“ zu sein. Um es einmal in Perspektive zu setzen: Wenn der Sportverein VfL Wolfsburg anfinge, gegen Gen-Mais und für Bankenregulierung auf die Straße zu gehen, würde das sicherlich einiges an Befremden provozieren – bei den eigenen Fans, aber auch bei Außenstehenden.

Warum sollte der Fall bei einer gewählten Studentenvertretung anders sein? Weil jede Gesellschaft Veränderung braucht. Wenn Veränderungsprozesse, neue Ideen, und das Hinterfragen des Altbekannten irgendwo herkommen, dann von der gebildeten Jugend.

Und: Weil sie die Chance dazu hat. Studenten haben einen Vorteil, der später im Arbeitsleben verschwindet: Sie sind unabhängig von Arbeitgebern und anderen Interessen, sie können ihren Überzeugungen folgen oder verrückte Sachen ausprobieren, ohne persönliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Und vor allem: Sie haben die Zeit dafür.

Von Sven Grünewald

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