Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Studierende beraten Kommilitonen

Juristische Fakultät Studierende beraten Kommilitonen

Es geht um Fragen rund ums Mietrecht, um Verletzungen des Copyrights im Internet, um Handy-Verträge oder um ausbleibende Unterhaltszahlungen. Jura-Studierende bieten Kommilitonen an der Universität Göttingen eine kostenlose Rechtsberatung an. Zwei Rechtsanwälte unterstützen sie dabei.

Voriger Artikel
Vorwurf zu großer Nähe zur Industrie
Nächster Artikel
Göttinger Student kämpft für Tierrechte

Jura-Studierende beraten Kommilitonen, unterstützt von Rechtsanwalt Tobias Weissenborn (3. v. li.). 

Quelle: CH

Göttingen. Zwei Stunden in der Woche stehen die Jura-Studierenden Rede und Antwort, erfragen notwendige Informationen und wenden Gelerntes an. „Die Studierenden, die im dritten bis sechsten Semester sind, beraten bereits professionell“, meint Rechtsanwalt Tobias Weissenborn (46). Gemeinsam mit Uwe Betjen (55) begleitet er die Studierenden. Sie müssen am Ende des Semesters einen von ihnen bearbeiteten Fall präsentieren und rechtlich bewerten. Akten­vortrag nennt sich das. Dafür gibt es einen Schein im Bereich der Schlüsselqualifikationen.

„Der Vortrag ist der erste, den ich seit Beendigung der Schule halten musste“, sagt Teresa Günther (21). Im Jurastudium würden sonst nur Klausuren geschrieben. Philipp Rakotz (22) hebt den sozialen Aspekt des Kurses hervor: „Wir können etwas für die Uni machen und gleichzeitig anderen Studierenden helfen.“

„Ich habe einen Studenten beraten, der vom Vermieter seine Kaution nicht zurückerhalten hat“, erzählt Katharina Pfaff (23). Der Student sei im Recht gewesen. Sie habe ihm geraten, Prozesskostenhilfe zu beantragen und das Geld einzuklagen.

Felix Klein (21) half einem Studenten, der einen Film im Internet herunterlud. Weil er ihn gleichzeitig wieder hochlud, wurde er vom Inhaber der Filmrechte abgemahnt. Klein empfahl mit dem Rechteinhaber über die Höhe der Abmahnung, 1000 Euro, zu verhandeln. Der Fall sei ernst. Gegebenenfalls müsse der Student die kostengünstige Beratungshilfe eines Gerichts nutzen.

Um einen Vertrag zur Internetnutzung ging es in einem Fall, mit dem sich Jan Bredenberg (23) befasste. Sein Mandant hatte den Vertrag auf der Internetseite des Anbieters gekündigt, was ihm auch telefonisch bestätigt wurde. Was ihm nicht mitgeteilt wurde: Die Kündigung musste zudem brieflich erfolgen. Weil das innerhalb der Kündigungsfrist unterblieb, verlängerte sich der Vertrag um 24 Monate. „Da lässt sich rechtlich nichts machen“, meinte Bredenberg. Anwalt Bethje, der das Vorgehen des Anbieters für unseriös hält, riet dem Studenten zur Klage. „Der Ausgang des Prozesses ist ungewiss“, warnte jedoch Bredenberg.

„Oft geht es um Unterhaltszahlungen“, sagt Anwalt Weißenborn. In solchen Fällen sei die „familiäre Komponente“ zu bedenken. Viele Studierende scheuten davor zurück, ihre Eltern zu verklagen. „Vielfach sind die Ratsuchenden im Recht, nehmen das aber aus Unwissenheit nicht in Anspruch“, hat Referendarin Helen Wienands beobachtet. Sie koordiniert die Rechtsberatung.

Kontakt: studentische-rechtsberatung@jura.uni-goettingen.de.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Göttinger Alzheimer-Zentrum