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Studierende zeigen Ausstellung über Liebe und Sexualität

Queeres Istanbul Studierende zeigen Ausstellung über Liebe und Sexualität

Wie lebt man offen homosexuell in einem Land, wo es jenseits der großen Städte schon verpönt ist, wenn ein Mann und eine Frau zusammen Händchen halten? Studierende der Universität Göttingen haben auf einer Forschungsreise Eindrücke zu dieser Frage gesammelt.

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Fotografien und Videos: Dokumentation zur Geschichte der Istanbuler Gay-Prides.

Quelle: Heller

Göttingen. Entstanden ist dabei die Ausstellung „Queerstanbul“, die  im Künstlerhaus gezeigt wird und dabei manches westliche Klischee verwirft. Auf den ersten Blick unterscheidet sich das, was man dort zu sehen bekommt, nicht von den Bildern, die man von den Christopher-Street-Days in Berlin und den ­Gay-Prides in Amsterdam oder Paris kennt. Viel nackte Haut, ein Meer aus Regenbogenflaggen und auffällig geschminkte Männer.

Doch die Ausstellung bringt die Bilder in einen Kontext, erzählt die Geschichte des Istanbuler Gay-Prides, der jünger ist als seine Schwestern im Westen, der aber dafür um so schneller gewachsen ist. Während es in den nord- und mitteleuropäischen Metropolen längst normal war, dass Tausende Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle auf die Straße gingen, demonstrierten 2003 in Istanbul gerade einmal 30 Menschen. Dieses Jahr waren es 100 000 Protestierende.

Die Fotos zeigen den Pride als einen Arm der Taksim-Bewegung und erklären, dass auch eine Welle der Solidarisierung mit der queeren Community losbrach, als die Menschen ihre Unzufriedenheit mit der türkischen Regierung zum Ausdruck brachten, die den Istanbuler ­Pride spontan zum größten Südosteuropas machte.

Ein widersprüchliches Bild

Aber auch einen Eindruck vom Kleinen, vom Persönlichen bekommt man bei „Queerstanbul“. In einer Videoinstallation erzählt eine ehemalige Touristenführerin, wie sie als Transsexuelle zu Büroarbeit verdonnert wurde und keine Menschen mehr durch die Stadt führen durfte. Jetzt verdient sie als Sexarbeiterin ihr Geld. In der türkischen Öffentlichkeit heißt es, dass die  Kunden solcher Dienste stets Touristen aus dem Ausland seien. Ohnehin sei Homosexualität ein westliches Importprodukt. Doch die, die sie um ihre Bezahlung prellen, schlagen, demütigen und dabei trotzdem Sex mit ihr haben, kommen selbst aus der Türkei.

In der Tat boomt der Tourismus. In Beyoğlu, einem Stadtteil Istanbuls, sprießen Kneipen, Diskotheken und Schwulencafés wie Pilze aus dem Boden. Die Betreiber haben dabei aber keineswegs nur die Touristen im Sinn, sondern sind selbst schwul oder lesbisch. Gleichzeitig weigern sich einige Hotels, Schwule und Lesben zu beherbergen.

Es ist ein widersprüchliches Bild, das in der Ausstellung zutage tritt. Es illustriert ein Land, in dem Homo- und Transphobie genau so real sind wie ein weltoffenes und freies Lieben. Dabei hält die Ausstellung auch den Besuchern den Spiegel vor. Denn sie macht ihnen klar, dass auch sie beim Thema Homosexualität im Orient nicht frei von Vorurteilen sind.

Von Serafia Johansson

Bis Sonntag, 14. Dezember, montags bis freitags von 12 bis 18 Uhr, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr im Künstlerhaus, Gotmarstraße 1. Am Mittwoch, 10. Dezember, berichten die Organisatorinnen von ihren Erfahrungen. Beginn ist um 18 Uhr.
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