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Tildas feine Nase

Suchhund spürt seltene Käfer auf Tildas feine Nase

Die Niedersächsischen Landesforsten haben mit Hilfe eines Suchhundes ein neues Vorkommen des seltenen Eremit-Käfers in ihren Wäldern nachgewiesen. Die Göttinger Forststudentin Svenja Schmidt suchte für ihre Masterarbeit hunderte Bäume im Solling mit ihrer Irish Terrier Hündin Tilda ab.

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Irish Terrier Hündin „Tilda“ hat den Kot der Käfer am Stammfuß erschnüffelt. Svenja Schmidt belohnt ihren Suchhund mit Wursthäppchen.

Quelle: r

Göttingen. Die Niedersächsischen Landesforsten konnten mit Hilfe eines Suchhundes ein neues Vorkommen des seltenen Eremit-Käfers in ihren Wäldern nachweisen. Die Göttinger Hundeführerin und Forststudentin Svenja Schmidt hat für ihre Masterarbeit hunderte alte Bäume im Solling mit ihrer Irish Terrier Hündin Tilda abgesucht.

Schwerpunkt Naturschutz an der Uni Göttingen

Schmidt studiert im Fachbereich Forstwissenschaft und Waldökologie, mit dem Schwerpunkt Waldnaturschutz an der Universität Göttingen. Für ihre Masterarbeit untersucht sie, ob Suchhunde ein geeignetes Mittel sind, um Brutbäume des Eremiten finden und kartieren zu können. Die Forstwissenschaftlerin trainiert ihre Hündin Tilda auf Nasenarbeit seit sie „in der achten Lebenswoche zu mir kam“. Sie sei ein gelehriger und sehr kinderlieber Hund, so Schmidt. Anfänglich habe Tilda auf das Erspüren des Asiatischen Laubholzbockkäfers (Schädling aus Asien) erlernt. Nun fand Tilda mit ihrer feinen Nase ein bislang nicht bekanntes Vorkommen in einer alten Buche im Niedersächsischen Forstamt Neuhaus.

Der auch Eremit genannte und vom Aussterben bedrohte Käfer bewohnt morsche Laubbäume. Er ist gemäß Bundesnaturschutzgesetz eine „besonders geschützte Art, die Rote Liste stuft ihn als „stark gefährdet“ ein“, erklärt Schmidt. Und in einer Richtlinie der EU ist er als „prioritäre Art“ hervorgehoben, das verpflichte dazu, Schutzgebiete für ihn auszuweisen. Ferner ergebe sich eine Berichtspflicht der Mitgliedsstaaten an die EU. Unter anderem müsse in regelmäßigen Abständen der Erhaltungszustand der Art gemeldet werden. Dazu werden seine Lebensräume kartiert. Man erhoffe sich auch durch die Kartierung mehr Vorkommen zu finden, um diese unter Schutz zustellen, da er als Schirmart für weitere holzbewohnende Insekten stehe.

Hund riecht die Larve und deren Kotpillen

„Das Monitoring ist Pflicht und wir von der Universität Göttingen schauen, ob es nicht präziser und effektiver mit Hund geht“, erklärt Schmidt, die ihr Bachelor-Studium an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kultur (HAWK) absolvierte. „Ein Erstnachweis auf der Baumart Buche im Solling ist uns geglückt. Ein Mensch kann manchmal nur vermuten, ob der Käfer den Baum besiedelt, da der Käfer, wie der Name schon verrät, zurückgezogen in seinen Mulmhöhlen lebt. Man schaut also von außen und „verdächtigt“ Bäume, wenn es keine richtigen Indizien gibt. Der Hund dagegen riecht die Larve und deren Kotpillen und zeigt den Baum an.“

Ein bedeutendes Vorkommen der Eremit-Käfer lebt im Naturschutzgebiet Lauenberger Eichen. Hier pflegt das Niedersächsischen Forstamt Dassel seine Jahrhunderte alten Huteeichen. Revierleiter Jost Speitling weiß um seinen kostbaren Schatz: „Alle sechs Spechtarten Niedersachsens wohnen hier, und die Huteeichen sind als Brutbäume für den Eremiten schon länger bekannt“, sagt der Förster. Doch nur selten bekäme man einen Eremiten zu Gesicht. Sichtbar seien nur der Kot und Teile vom Chitin- Panzer der Insekten am Stammfuß, so Speitling.

Verfahren mit Suchhund hat sich bewährt

Dort setzt „Tildas“ Hundenase an. „Der Hund zeigt mir an, wenn tatsächlich Käfer im Stamm leben. Das erspart die mühsame Suche im Mulm, denn in dem mehlartigen Holzmoder leben die Insekten.“ Das Verfahren mit dem Suchhund habe sich bewährt und sei für den Käfer zuträglicher als die Eremitensuche von Menschenhand lautet das abschließende Urteil der Niedersächsischen Landesforsten.

Schmidt, die jetzt ihre Masterthesis fertigstellt, hofft, dass sie ihre Arbeit mit möglichen Aufträgen von Naturschutzbehörden weiter in die Tat umsetzen kann. 

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Von Redakteur Christiane Böhm

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