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Sulawesi-Projekt „zu wertvoll“ für Aufgabe

Regenwald-Forschung Sulawesi-Projekt „zu wertvoll“ für Aufgabe

Der Sonderforschungsbereich 552 an der Universität Göttingen wird nur noch bis Jahresmitte Forschungsgelder von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erhalten. Das soll nicht das Ende der Göttinger Forschung im Regenwald der indonesischen Insel Sulawesi bedeuten. 

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Quelle: PUG

Der Entwicklungsökonom Stephan Klasen  ist verantwortlich für Projekte zum Thema soziale und ökonomische Entwicklung in der indonesischen Provinz. Seit Februar ist er auch Sprecher des Sonderforschungsbereiches „Stabilität von Randzonen tropischer Regenwälder in Indonesien“. Für ihn eine schwierige Aufgabe, weil das Verbundprojekt derzeit bundesweit Aufmerksamkeit erhält: Untersuchungskommissionen von Universität und DFG prüfen das wissenschaftliche Fehlverhalten von 16 beteiligten Wissenschaftlern. Im Februar stellten DFG-Gutachter fest, dass für Titel in der Publikationsliste weder Veröffentlichungen in Fachjournalen noch Manuskripte vorlagen. 

Seitdem läuft das Krisenmanagement der Universität, die als erste Reaktion den 1200-seitigen Antrag auf weitere Forschungsförderung für die Tropenforschung zurückzog. Der amtierende SFB-Vorstand trat zurück. Prof. Klasen wurde um Übernahme des Sprecheramtes gebeten. 

„Ich will die Angelegenheit geordnet zum Abschluss bringen“, erklärt Klasen. Ihm sei es wichtig, für die beteiligten Wissenschaftler des Projekts, vor allem für die Nachwuchswissenschaftler, Bedingungen zu schaffen, ihre Forschungsarbeiten abzuschließen. Wenn notwendig, auch über den 30. Juni hinaus. Denn die Mehrzahl der mehr als 100 an dem Sonderforschungsbereich aus verschiedenen Fakultäten stammenden Mitarbeiter habe sich nichts zu Schulden kommen lassen. So sei auch das Urteil der Gutachter über die wissenschaftliche Arbeit des SFG „sehr gut bis ausgezeichnet“. Anders im Fall der Publikationslisten: Derentwegen wurde der Antrag zurückgezogen. 

Von den 16 Forschern müssen einige damit rechnen, dass die Untersuchungsverfahren Konsequenzen für ihre wissenschaftliche Karriere haben. Diejenigen ohne Fehl und Tadel haben in der Fachöffentlichkeit keine Nachteile zu befürchten. Nach Ansicht von Klasen, kann die wissenschaftliche Gemeinschaft „differenzieren, auch was die Schwere von Falschangaben angeht.“ Seiner Meinung nach ist der Reputationsschaden in der Öffentlichkeit größer. 

„Ich habe nicht damit gerechnet, dass das Thema zum jetzigen Zeitpunkt Thema in den Medien wird“, so der SFB-Sprecher. Das vorzeitige SFB-Ende und die Gründe dafür, waren zweimal auf der Tagesordnung des Senats der Georg-August-Universität und wurden in Fachkreisen über Göttingen hinaus diskutiert. Mit dem Vorliegen von Ergebnissen der Untersuchungsausschüsse sollte die Öffentlichkeit informiert werden. Das ist seit Anfang Mai bereits der Fall, ohne dass Ergebnisse vorliegen.

Für Klasen ist es „jetzt eine erhebliche Belastung, dass ich damit assoziiert werde.“ Und er hofft sehr, dass weder die Universität noch deren hervorragende Biodiversitätsforschung durch das aktuelle Geschehen mit Nachteilen zu tun haben werden. 

Klasen will nicht nur den Nachwuchswissenschaftlern Sicherheit geben, sondern auch dafür sorgen, dass die zum Sonderforschungsbereich 552 und dem eigenständigen Projekt „Storma“ (Stabilität von Randzonen tropischer Regenwälder) gehörenden Einrichtungen auf Sulawesi erhalten bleiben. Er will die Geräte, Gebäude, die gesamte Infrastruktur in Indonesien erhalten, damit dort weiter Aspekte der Folgen der Abholzung des Regenwaldes erforscht werden können wie Auswirkungen für die Bevölkerung, die Landwirtschaft oder das Klima. „Das Aufgebaute ist zu wertvoll, um es dort brachliegen zu lassen“, lautet Klasens Ansage. 

Während die Untersuchungskommissionen ihre Arbeit tun, geht er mit seinen beiden Vorstandskollegen daran, „über ein neues Großprojekt mit neuem Forschungsschwerpunkt“ nachzudenken. Er will die Pläne dafür vorliegen haben, „wenn alle Untersuchungen aufgeklärt und abgeschlossen sind.“ Seine Entschlossenheit zum Neuanfang untermauert er überzeugt: „Wir sind nicht inhaltlich, wir sind verfahrensmäßig zu Fall gekommen.“  Angela Brünjes

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