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Göttingen Digitale Lösungen in der Psychotherapie?
Campus Göttingen Digitale Lösungen in der Psychotherapie?
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17:09 14.06.2018
Sprachen über digitale Unterstützung für die Psychotherapie: Matthias Backenstraß, Birgit Wagner, Martin Hautzinger, Knut Schnell, Mirko Ross (v.l.). Quelle: Grünewald
Göttingen

Digitale Lösungen in der Medizin werden an vielen Stellen entwickelt und erprobt. Ein Symposium der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) gab Einblicke in die aktuellsten Entwicklungen zur Unterstützung der Psychotherapie. Einhelliges Fazit: Sie können zu besseren Therapieerfolgen führen.

Dilemma: Versorgungsrealität vs. ideale Versorgung

Prof. Martin Hautzinger von der Universität Tübingen brachte das Dilemma in der Psychotherapie bei Depressionen auf den Punkt: Die Versorgungsrealität weiche stark von der idealen Versorgung ab. Es dauere etwa fünf bis sechs Monate bis zum Therapiebeginn, nur etwa zehn Prozent der Patienten erhielten überhaupt eine Therapie und bei einer akuten Depression liege die Wartezeit für ein Erstinterview bei zwölfeinhalb Wochen. Zudem gebe es weite ländliche Bereiche, in denen einfach gar kein Therapeut niedergelassen sei, sodass Fahrten zur Therapie auch schon 50 Kilometer und länger sein können.

„Die Erwartung, die wir mit digitalen Lösungen verbinden, ist den Zugang zu therapeutischen Angeboten zu verbessern“, sagt Prof. Knut Schnell, Leiter des Asklepios Fachklinikum in Göttingen. Das heißt: ein schnellerer Zugang, ein großflächigerer Zugang, aber durch ergänzende Angebote auch die Therapiequalität zu verbessern und möglicherweise auch insgesamt mehr Menschen den Zugang zu therapeutischen Maßnahmen zu ermöglichen.

Persönliches Gespräch gilt als Schlüssel für Therapieerfolg

Als Schlüssel für den Therapieerfolg gilt das persönliche Gespräch zwischen Therapeut und Patient, das bei einer Online-Betreuung fehlt: Körperhaltung, Blicke, Stimmlage. Jedoch, so stellte Prof. Birgit Wagner von der Medical School Berlin dar, habe man auch feststellen können, dass der Online-Kontakt auch Vorteile habe. So falle es Patienten leichter, beispielsweise über sexuelle Gewalterfahrungen, Essanfälle oder Schuldgefühle zu schreiben als zu reden. Gleichzeitig lasse sich durch den Therapeuten auch über die Anpassung des eigenen Schreibstils an den des Patienten so etwas wie Nähe und Sympathie erzeugen.

Der Einsatz von Software in der Psychotherapie zeige in Studien zudem „beeindruckende Effektstärken“, so Hautzinger. So seien digitale Lösungen auf jeden Fall eine Möglichkeit für die Psychotherapie. Allerdings sieht er weniger einen Paradigmenwechsel durch den Technikeinsatz als vielmehr eine Bereicherung des bestehenden Therapieangebots. Denn was Studien ebenfalls zeigten, sei, dass die Kombination aus Software und therapeutisch-menschlicher Begleitung insgesamt die besten Ergebnisse bringe.

Herausforderungen bei der Entwicklung von Apps

Es bestünden aber Herausforderungen bei der Entwicklung von entsprechenden Apps, so Prof. Matthias Berking von der Universität Erlangen-Nürnberg. Um Patienten für die Nutzung zu motivieren, müsse man sich viele neue Reize und Abwechslung in den Programmen überlegen. Für die Entwicklung solcher Produkte für den Patienten lassen sich zudem keine DFG-Fördermittel einsetzen, man stehe daher vor einem ziemlichen Finanzproblem.

Von Sven Grünewald

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