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Göttingen Doping im Alltags- und Freizeitsport
Campus Göttingen Doping im Alltags- und Freizeitsport
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08:59 26.11.2018
Sportler, die zu leistungssteigernden Mitteln greifen, nutzen auch Injektionen: Hier beschlagnahmte Fläschchen mit einem Testosteron-Medikament. Quelle: dpa
Göttingen

Wie verbreitet ist Doping im Sport? Warum greifen Sportler zu leistungssteigernden Mitteln? Wie lässt sich der Missbrauch eindämmen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des zweitägigen Symposiums „Doping im Alltags- und Freizeitsport“ in Göttingen. Ina Hunger vom Institut für Sportwissenschaften begrüßte dazu rund 80 Teilnehmer in der Sammlung der Gipsabgüsse im Archäologischen Institut der Universität Göttingen. Der Veranstaltungsort passte zum Thema der Tagung: Die Teilnehmer waren umringt von athletisch gebauten Skulpturen aus dem griechischen und römischen Kulturkreis, die dem damaligen Idealbild des menschlichen Körpers entsprachen.

Um die optische Erscheinung gehe es auch den „Freizeitdopern“, erläuterte Mischa Kläber, Sozialwissenschaftler an der TU Darmstadt und Leiter des Ressorts Präventionspolitik und Gesundheitsmanagement im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Der Sozialwissenschaftler hat über Doping im Freizeitbereich geforscht und ermittelt, dass um die 15 Prozent der Mitglieder von Fitnessstudios Konsumerfahrung mit Anabolika haben.

Die Suche nach dem perfekten Körper könne eine Missbrauchsspirale in Gang setzen und suchtähnliche Züge annehmen, wenn sich ein Sportler nur noch über seine Athletenrolle definiere. Die Spirale beginne relativ harmlos, sagte Kläber. Um die Leistungsfähigkeit zu steigern, nähmen Fitnessenthusiasten Nahrungsergänzungspräparate wie Eiweißpulver, Zink und Creatin zu sich.

„Das ist ein Riesenmarkt, vor allem im Laufsport und bei anderen Ausdauersportarten“, sagte Kläber. Animiert durch den Austausch in einschlägigen Netzwerken, griffen Sportler auf dem Weg zum Ziel („Waschbrettbauch und imposanter Bizeps“) dann auch zu Humanarzneien. Zunächst nähmen sie Clenbuterol, Steroide, Amphetamine und Diuretika in Tablettenform zu sich, später auch per Injektion.

Mischa Kläber Quelle: Heidi Niemann

Bei der Versorgung mit diesen Präparaten spiele die Ärzteschaft eine zunehmend größere Rolle, sagte Kläber. Als dritte Etappe folgten Tierarzneien, die normalerweise Rindern, Katzen oder Pferden verabreicht werden. „Das ist ein Wahnsinn“, meinte der Wissenschaftler.

Mit Doping im Spitzensport beschäftigt sich dagegen Perikles Simon, Medizinprofessor an der Universität Mainz. Vor allem eine Studie des Doping-Experten erregte großes Aufsehen: Gemeinsam mit einer internationalen Forschergruppe hatte er im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Spitzensportler befragt, die 2011 an den Leichtathletik-Weltmeisterschaften teilgenommen hatten. Die Studie ergab, dass rund 40 Prozent der Top-Athleten gedopt waren.

Perikles Simon Quelle: Heidi Niemann

Inzwischen ist der Forscher so frustriert über den mangelnden Willen der Sportverbände im Anti-Doping-Kampf, dass er sich eigentlich nicht mehr zu dem Thema äußern möchte. In Göttingen zog er aber noch einmal kräftig vom Leder, prangerte die Ineffektivität des Kontrollsystems an, das jede Menge falsche Ergebnisse liefere, und kritisierte die zwielichtige Rolle mancher Funktionäre: „Der Funktionär, der dreckige Proben beiseite schafft, schadet sauberen Athleten.“

Doping ist insbesondere deshalb im Spitzensport so verbreitet, weil es sich finanziell lohnt: Diese These vertrat der Mitbegründer der Anti-Doping-Kommission des Deutschen Sportbundes, Wolfgang Maennig. Der einstige Olympiasieger im Rudern und heutige Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Hamburg machte deutlich, dass der Entscheidung fürs Dopen ein ökonomisches Kalkül zugrunde liegt. „Doping-Persönlichkeiten“ wie etwa Jan Ullrich oder Lance Armstrong seien immer auch „pekuniär getrieben“.

Wolfgang Maennig Quelle: Heidi Niemann

Doping müsse daher mit hohen Geldstrafen geahndet werden. Maennig regte zudem ein Pensionssystem an: Sportler sollten zunächst nur die Hälfte ihrer Sieg- und Antrittsprämien erhalten. Der Rest sollte erst nach Karriereende und auch nur dann ausgezahlt werden, wenn kein Dopingvergehen festgestellt wurde.

Weiterer Beitrag zum Thema.

Von Heidi Niemann

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