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Theologieprofessor Tamcke hält Vortrag zum Armeniergenozid

Zwei Seiten der Medaille – Armeniergenozid und Göttingen Theologieprofessor Tamcke hält Vortrag zum Armeniergenozid

Was hat der Völkermord an den Armeniern vor 100 Jahren mit Göttingen zu tun? Diese Frage erörterte Theologieprofessor Martin Tamcke am Donnerstag in dem Vortrag "Armeniergenozid und Göttingen". Er berichtete über einige Verbindungen der Volksgruppe nach Göttingen.

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Gedenken an den Völkermord an den Armeniern vor 100 Jahren: Nachfahren erinnern an ihre ermordeten Verwandten.

Quelle: dpa

Göttingen. Es geschah vor 100 Jahren und wurde deshalb in diesem Jahr kontrovers diskutiert: der Genozid an den Armeniern. An der Universität Göttingen hatte die Vortragsreihe „Vom Völkermord zur Gegenwart - Armenier, Syrer und Kopten“. Die Professoren Tamcke und Heike Behlmer hatten sich zum Ziel gesetzt, die Geschehnisse der vergangenen Jahrzehnte und ihre Bedeutung für die Gegenwart zu thematisieren. So stellte Tamcke  in einer letzten Vorlesung der Reihe den lokalen Bezug des Genozids zu Göttingen her. In seinem Vortrag „Armeniergenozid und Göttingen“ näherte sich der Professor für Ökumenische Theologie dem Thema historisch an. Er sprach über Johannes Lepsius, der bereits Ende des 19. Jahrhunderts das Armenische Hilfswerk gründete. Auch die Deutsch-Armenische Gesellschaft und syrische sowie armenische Waisenhäuser rief der Theologe ins Leben. Lepsius befasste sich schon damals mit der Geschichte des armenischen Volkes, organisierte Sammlungen für notleidende Armenier. Auch über das karitative Engagement der Kirche in der Provinz Hannover zu Zeiten des Genozids berichtete Tamcke. „Die Deutschen halfen damals vor allem in Form von Geldsummen und Waisenhausarbeit“, erzählte Tamcke. Doch nicht nur diese glänzende Seite der deutsch-armenischen Beziehung betrachtete der Theologe in seinem Vortrag. Nicht zu vergessen sei, dass die Deutschen „leider oft auch nicht geholfen“ hatten. Historische Dokumente, die über eine verzerrende Berichterstattung sprachen, zitierte Tamcke. So schrieb der Pastor Carl Beyer darin von den Armeniern als Volk der Rebellen, die kein Mitleid verdienten. In seinem Vortrag betonte Tamcke zudem die „starke Armenier-Tradition der Universität Göttingen“. So nannte er in diesem Zusammenhang Friedrich Carl Andreas. Die Universität konnte mit ihm einen armenischen Lehrenden vorweisen. Für Lacher im Hörsaal sorgte Tamcke, als er einen Brief Andreas‘ zitierte: Das sommerliche Klima gefiel dem Armenier nicht, Göttingen war ihm deshalb höchst unsympathisch. Auch über den Plan, Missionare nach Armenien auszusenden, berichtete Tamcke. So wagten die Hermannsburger einen Versuch – der Missionar und seine Mitarbeiter seien jedoch auf dem Weg dorthin ermordet worden. „Das sind alles nur Bruchstücke aus der Geschichte“, beendete Tamcke seinen Vortrag. Eine ähnliche Vortragsreihe kündigte er für das kommende Sommersemester an. Möglicherweise wir die stärker aktuelle Bezüge haben: Denn Tamcke wies darauf hin, dass nicht alles Vergangenheit sei - die Deutsch-Armenische Gesellschaft existiere noch heute.  Von Theresa Hellwig

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