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Göttingen Thomas Schmid eröffnet Reihe über Europa
Campus Göttingen Thomas Schmid eröffnet Reihe über Europa
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21:26 18.09.2017
Publizist Thomas Schmid bei der Eröffnung der Akademiewoche „Zeit für ein neues Europa“. Quelle: Foto: richter
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Göttingen

Denkanstöße zur Weiterentwicklung der Europäischen Union (EU) will die diesjährige Vortragsreihe der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen vom 18. bis 21. September geben. Brexit, Schuldenkrise, Flüchtlingskrise, Einengung der nationalen Politikgestaltung, Intransparenz: Es gebe viele große Themen und ebenso viel Unzufriedenheit in der EU. Gleichzeitig werde immer deutlicher, dass ein starkes Europa notwendig sei. Die Arbeitsgruppe Europa mit Prof. Kilian Bizer, Prof. Andreas Busch, Prof. Renate Ohr, Prof. Frank Schorkopf und Prof. Stefan Tangermann werde die Göttinger zum Thema EU so lange auf dem Laufenden halten „bis wir das Problem gelöst haben“, versprach Bizer.

Für den ersten Vortrag konnte die Akademie Thomas Schmid gewinnen. 2016 veröffentlichte der Lektor und Journalist, der zwischen 2010 und 2014 Chefredakteur und Herausgeber der Welt-Gruppe war, sein Buch „Europa ist tot, es lebe Europa! Eine Weltmacht muss sich neu erfinden“. Die europäische Einigung müsse wieder in Fahrt gebracht werden, so beginnt Schmid seinen Vortrag. Grundsätzlich wolle er werben für die Einigung, denn insgesamt sei die Europäische Union eine Erfolgsgeschichte. Trotzdem seien in der Vergangenheit auch eine Menge Fehler gemacht worden.

Einen großen Fehler sieht Schmid darin, dass viele Politiker Europa und die EU als eines betrachten. Sie müssten aber lernen, dass die EU ein großes Gebilde mit begrenzter Reichweite sei. Historisch sei die Überhöhung Europas erklärbar. Europa habe der Welt seinen Stempel aufgedrückt. Europa treffe in der ganzen Welt auf Europa. Die Krönung der europäischen Geschichte sollte die EU sein. Und dazu gehört für viele Europa-Verfechter, Europa zu einem Staat zu machen. Dazu aber müssten die Nationalstaaten verschwinden.

Publizist Thomas Schmid bei der Eröffnung der Akademiewoche „Zeit für ein neues Europa“. Quelle: Richter

Genau das aber, so Schmid wollen viele Europäer nicht. Und so spielten diejenigen, die die Einigung ohne die Nationalstaaten fordern, die den Willen zum Staat erzwingen wollen, den Gegner der EU in die Hände. Die europäischen Staaten hätten nun einmal unterschiedliche Traditionen, auch unterschiedliche Politikverständnisse. Das seien große Schwungräder, die nicht leicht anzuhalten seien, so Schmid. Traditionen wiegen schwer, sie zu ignorieren, könne zu nichts Gutem führen.

Die Staaten der EU sollten sich zusammen tun, größere oder kleinere Teile der Souveränität abgeben, aber von den ganz großen Vereinheitlichungsprojekten Abstand nehmen. Das Erfolgsgeheimnis der frühen Jahre der EU sei ihre Beschränkung auf das Machbare gewesen, die Konzentration auf Sachfragen. Dorthin müsse die EU zurückkehren. Sie sei eine solide Interessengemeinschaft, aber eben keine Wertegemeinschaft.

Zu den Fehlern, die in den vergangenen Jahren gemacht wurden, zählt Schmid auch die zu schnelle Osterweiterung. Es sei übersehen worden, dass 50 Jahre Diktatur nicht so schnell überwunden werden. Oder auch, dass beispielsweise Polen lange Jahre seiner Geschichte kein souveräner Staat war. Sie hätten den Eintritt in die EU als Befreiung der Fesseln betrachtet und empfänden nun vieles als Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten.

Die EU müsse, so fasst Schmid zusammen, einen Gang herunterschalten und sich wieder mehr den Dingen widmen, die sie besser leisten kann als die einzelnen Staaten. Als Beispiele nannte Schmid ein gemeinsame Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik, eine gemeinsame Klimapolitik und gemeinsames Handeln beim Thema Bildung.

Von Christiane Böhm

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