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Thomas Südhof hält Festrede beim Stiftungsdinner der Universität Göttingen

Mehr Kommunikation im Labor Thomas Südhof hält Festrede beim Stiftungsdinner der Universität Göttingen

Mit Thomas C. Südhof hat erstmals ein Wissenschaftler die Festrede beim Stiftungsdinner der Universität Göttingen gehalten. Der in den USA an der Universität Stanford forschende Prof. Südhof sprach am Freitagabend vor fast 100 Gästen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft in der festlich dekorierten Aula am Wilhelmsplatz über den ihm im vergangenen Jahr verliehenen Nobelpreis für Medizin und über die Forschungsbedingungen in den USA und in Deutschland.

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Das vierte Stiftungsdinner der Universität in der Aula: Musikalisch begleitet vom Trio d‘Anches des Göttinger Symphonie Orchesters.

Quelle: Heller

Göttingen. Aus Sicht von Südhof sind Forschung und Wissenschaft in Deutschland gut aufgestellt. Das oft vorherrschende Minderwertigkeitsgefühl, „ist nicht gerechtfertigt“.

Aus seiner Sicht gebe es für Forschung in Deutschland „wesentlich mehr Geldsicherheit. Was hier aber nicht so gut funktioniert, ist die Kommunikation“: Das schlage sich sogar in der Architektur nieder, weil kleine Labore und abgeschottete Abteilungen die Regel seien. Er könne sich ein Labor so groß wie die Aula vorstellen, meinte der Wissenschaftler.

Eingehend befasste sich Südhof mit der gesellschaftlichen Akzeptanz von Wissenschaft. Im Gegensatz zu Deutschland werde die in den USA deutlich weniger geschätzt. Dort stellten Politiker wissenschaftliche Erkenntnisse wie die der globalen Erwärmung als Unsinn dar. Berufe in der Wissenschaft seien für junge Leute wenig erstrebenswert.

„Ich meine, dass wir als Wissenschaftler dafür teilweise verantwortlich sind“, sagte Südhof, der ohne Manuskript vortrug. Im Wettbewerb vieler Wissenschaftler gehe es nicht um Erkenntnis und Entdeckung, sondern um die Liste von Veröffentlichungen. Das habe in der Gesellschaft zu Skepsis geführt, weil immer wieder Forschungsergebnisse widerlegt werden.

„Man kann auch auf kleine Dinge stolz sein“

Der Nobelpreis sei eine Auszeichnung für eine Erfindung, die geprüft und unumstritten sei:  „Damit ist er eines der besten Instrumente und eine enorme Hilfe, um die Wissenschaft zu unterstützen“. Aber die Auszeichnung sei auch ungerecht, weil sie immer nur eine Person auszeichne. „Die Fortschritte in meinem Labor wären nicht möglich gewesen ohne die Fortschritte, die in anderen Labors gemacht worden sind“.

So viele Nobelpreisträger auch eine Verbindung zu Göttingen haben, – nur Südhof ist ein gebürtiger Göttinger. „Man kann auch auf kleine Dinge stolz sein“, kommentierte er das.

1955 kam Südhof hier zur Welt, ging hier kurze Zeit zur Schule und zog dann mit seiner Familie nach Hannover. Aber in Göttingen studierte er ab 1975 Medizin, hier startete er seine wissenschaftliche Karriere am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. „Die Wissenschaft, wie ich sie hier erlernt habe, hat mir enorm viel gebracht“, betonte Südhof rückblickend.

1995 kam er, nach Forschungstätigkeit in Texas, als Direktor ans Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin für drei Jahre bis 1998 wieder in seine Geburtsstadt.

Thomas Südhof hält Festrede beim Stiftungsdinner der Universität Göttingen.

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Info
Eine Spende von 1000 Euro  zugunsten des Stiftungsvermögens der Universität zahlt jeder Teilnehmer des Stiftungsdinners. Den Gästen servieren die Teams vom Hotel Freizeit In und dem Restaurant Planea Basic ein  Viergänge-Menü. Die Festredner waren in den Vorjahren Politiker: Frank-Walter Steinmeier, Ursula von der Leyen und Joschka Fischer.
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