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Göttingen Hürden und Chancen abwägen
Campus Göttingen Hürden und Chancen abwägen
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17:24 15.04.2019
Ein zweites Studium bringt mehr Zeit auf dem Campus. Quelle: Christina Hinzmann
Bonn/Iserlohn/Göttingen

Auf den Bachelor noch einen draufsatteln? Das kann kompliziert sein. Wer nach dem Abschluss einen weiteren Bachelor oder Master machen möchte, muss sich auf einen Zweitstudienplatz bewerben.

Für die Private Hochschule Göttingen (PFH) schildert deren Präsident Frank Albe das als unproblematisch. Extragebühren koste das nicht. Und Bewerber müssten sowieso zu einem Vorstellungsgespräch vor ein Gremium, egal ob erstes oder zweites Studium. Zudem bemühten sie sich, möglichst viele Leistungen eines ersten Studiums anzurechnen. Als etwas höher schätzt Albe noch die Zahl der Zweitstudierenden im Bereich Fernstudium ein.

Für einige Berufe ist ein Zweitstudium erforderlich: Kieferchirurgen müssen zum Beispiel Zahnmedizin und Humanmedizin studieren, erklärt Christian Tauch vom Referat für Hochschulbildung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Andere entscheiden sich für einen weiteren Abschluss, weil sie sich noch einmal umorientieren möchten oder die Chancen auf dem Arbeitsmarkt schlecht stehen.

Einfach einschreiben

Bei zulassungsfreien Studiengängen können sich Studierende, die einen Bachelor oder Master haben, einfach einschreiben. Komplizierter wird es bei Fächern mit Zulassungsbeschränkung: „Für Studienplätze in Studiengängen, die im bundesweiten Vergabeverfahren vergeben werden, stehen den Zweitstudienbewerbern drei Prozent der Plätze zur Verfügung“, erklärt Tauch. Das gilt für Medizin, Pharmazie und Zahnmedizin. „Bei örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen bestimmen die Hochschulen diese Quote selbst.“

Für die Vergabe gibt es bestimmte Regeln. Relevant sei neben der Abschlussnote des Erststudiums vor allem die persönliche Motivation, sagt Tauch. Dazu zählen unter anderem zwingende berufliche oder wissenschaftliche Gründe. Etwa, wenn eine ergänzende Qualifikation beispielsweise für eine Tätigkeit in der Forschung notwendig ist.

Lage auf dem Arbeitsmarkt

Die Wahl des Studiengangs sollte zur Lage auf dem Arbeitsmarkt oder dem angestrebten Arbeitgeber passen. Beliebt ist als Zweitstudiengang laut Röser unter anderem der Master of Business Administration: „Der bringt auch denen Führungsqualifikationen bei, die vorher nicht im Wirtschaftsbereich studiert haben.“ Das sei gerade bei Geisteswissenschaftlern für viele Arbeitgeber attraktiv. Viele Wirtschaftswissenschaftler hingegen bilden sich durch ein Zweitstudium der Wirtschaftspsychologie weiter, um sich im Human-Resources-Sektor zu qualifizieren.

Ein Zweitstudium ist nicht günstig: In einigen Bundesländern werden Gebühren erhoben. In Sachsen-Anhalt 500 Euro pro Semester, in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sogar 650 Euro. In den meisten anderen Bundesländern fallen keine Extrakosten an. Trotzdem haben Zweitstudierende oft höhere Ausgaben. „Sie haben vielleicht schon Familie oder sorgen privat fürs Alter vor“, sagt Bernhard Börsel vom Deutschen Studentenwerk.

Selbst finanzieren

Hinzu kommt, dass es Bafög nur in besonderen Fällen gibt. Zum Beispiel, wenn das Studium zwingend für den angestrebten Beruf erforderlich ist, erklärt Börsel. Alle anderen müssen sich selbst finanzieren. Ein Kredit als alleinige Finanzierungsform – davon rät Börsel ab: „Die Verschuldung wird zu hoch.“ Alternativ bietet sich ein berufsbegleitendes Studium ein. „Da sollte aber die Work-Life-Balance nicht aus dem Blick geraten“, sagt Börsel.

Wer sein erstes Studium noch nicht abgeschlossen hat, aber schon weiß, dass er beruflich etwas ganz anderes machen will, sollte abwägen: Es könne sich lohnen, abzubrechen, um weniger Komplikationen beim zweiten Studium zu haben, sagt Röser.

Von Christina Spitzmüller

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