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Turnen ist nicht gleich Sport

Geschichte des Turnens in Norddeutschland Turnen ist nicht gleich Sport

Turnen ist nicht gleich Sport. Darauf legt Prof. Bernd Wedemeyer-Kolwe vom Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte (NISH) wert. „Beim Turnen geht es nicht um schneller, höher, weiter“, sagt er. Zum Erlebnis-Turnfest organisiert er eine sporthistorische Tagung am Freitag und Sonnabend, 24. und 25. Juni.

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Freiübungen beim Bundesturnfest in Leipzig.

Quelle: r

Göttingen. Beim Turnen gehe es um ästhetische Leibesübungen, um den Gemeinschaftsgedanken, dass alle fit werden, so der Sporthistoriker. So sei das anstehende Erlebnis-Turnfest in Göttingen nicht nur ein Bewegungsfest, sagt Wedemeyer-Kolwe. „Zu den Turnfesten gehört auch eine Festkultur“, meint der Historiker, Musik und andere Vorführungen seien ein wichtiger Bestandteil. Eine weitere Komponente liefert nun das NISH gemeinsam mit dem Niedersächsischen Turnerbund (NTB): die Tagung zum Thema „Geschichte des Turnens in Norddeutschland“.

„Wir wollten das Turnfest historisch begleiten“, erzählt Wedemeyer-Kolwe, schließlich blicken die Turner auf eine ereignisreiche Vergangenheit zurück. „In Turnvereinen wurde früher auch politisch diskutiert“, sagt Wedemeyer-Kolwe, die Turnbewegung sei um das Jahr 1848 herum Teil einer Demokratiebestrebung gewesen, habe nationalistische Phasen gehabt und sei immer auch Spiegelbild der kulturellen und politischen Geschichte Deutschlands gewesen.

Auch die Turnfeste sind Teil dieser Geschichte. „1860 war das erste deutsche Turnfest in Coburg“, erzählt Wedemeyer-Kolwe. Und Göttingen trägt nun bereits zum zweiten mal ein Landesturnfest aus – schon 1955 wurde ein Turnfest hier gefeiert. Die Grundelemente der Turnfeste seien bis heute gleich geblieben, so Wedemeyer-Kolwe: Dazu gehöre vor allem die Selbstdarstellung der Vereine und Verbände, unter anderem durch Umzüge und Aufführungen, aber auch das sportliche Miteinander. Die Begrifflichkeiten haben sich allerdings geändert: „Das Wort Landesturnfest ist zu konservativ geworden, Erlebnis Turnfest betont mehr das Miteinander“, erläutert Wedemeyer-Kolwe, der sich unter anderem auf Vereins- und Kulturgeschichte im Sport spezialisiert hat. Vom 23. bis 27. Juni wird der Sporthistoriker in Göttingen dann zum ersten Mal selbst ein Turnfest besuchen und nicht nur in der Theorie darüber forschen.

Doch die hilft auch: „An den Namen der Turnvereine erkennt man zum Beispiel, seit wann es sie gibt“, verrät der Historiker – Vereine die beispielsweise „TUS“(Turn- und Sportverein) heißen, seien zwischen 1890 und 1914 gegründet worden, als Turner und Sportler sich in einem Verein zusammentaten. Das sei später verboten worden – Turnen sei schließlich kein Sport, so der damalige Konsens der Turner.

Von Hannah Scheiwe

Tagung

Zum Erlebnis Turnfest wird das Niedersächsische Institut für Sportgeschichte (NISH) am Freitag, 24. Juni, und Sonnabend, 25. Juni, gemeinsam mit dem Niedersächsischen Turnerbund (NTB) eine Tagung zum Thema „Geschichte des Turnens in Norddeutschland“ im Alten Rathaus, Markt 9, anbieten. In den Vorträgen, die Freitag um 13 Uhr und Sonnabend um 9 Uhr beginnen, geht es um die Anfänge der Turnbewegung, regionale und lokale Aspekte der norddeutschen Turngeschichte sowie die Turngeschichte als Teil der Sportgeschichte. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass die Vorträge nicht nur Wissenschaftler, sondern auch andere Sportinteressierte ansprechen. Das komplette Programm ist unter info@nish.de erhältlich. Dort können Interessierte sich auch für die Tagung anmelden. hsc

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