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Göttingen Über das Immunsystem und Antikörper im Gehirn
Campus Göttingen Über das Immunsystem und Antikörper im Gehirn
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15:56 25.10.2017
Fachreferenten Prof. Dr. Dr. Hannelore Ehrenreich vom Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin über den „Einfluss von Antikörpern auf das Gehirn“. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

„Es klingt nicht nur kompliziert, es ist es auch“, warnte Prof. Jürgen Wienands von der Universitätsmedizin Göttingen gleich zu Beginn des Abends, den er gemeinsam mit Prof. Hannelore Ehrenreich vom Göttinger Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin gestaltete. Vieles, was in Lehrbüchern logisch klinge, werfe in der Praxis zahlreiche Fragen auf, ergänzte Ehrenreich. Oft seien Zusammenhänge ungeklärt, so Wienands. Was sei Ursache, was Wirkung.

Das Immunsystem, führte der Professor aus, schütze den menschlichen Körper gegen krank machende Viren, Bakterien, Pilze, Protozoen und Würmer. Oft führten die Organismen nicht selbst zu den Symptomen, sondern die von ihnen produzierten Eiweiße. Zur Abwehr setze das Immusystem Antikörper ein. Das seien Eiweißmoleküle, die aus Proteinketten bestehen und oft noch eine kleine Zuckergruppe enthielten. Sie erkennen körperfremde Stoffe, binden sich an sie und schalten sie so aus.

Wienands stellte verschiedene Klassen von Antikörpern vor. Immunglobulin A finde sich entlang des Verdauungstraktes. Immunglobulin E finde sich konzentriert unter der Haut, wo es Parasiten abwehre. Teilweise reagierten Antikörper auf eigentlich harmlose Stoffe, wie Blütenpollen, heftig und verursachten so Allergien.

Prof. Dr. Jürgen Wienands von der Universitätsmedizin Göttingen Quelle: Niklas Richter

„Das Immunsystem ist normalerweise über die sogenannte Blut-Hirn-Schranke vom Gehirn getrennt“, betonte Ehrenreich. Diese Schranke öffne sich manchmal, etwa bei schweren Verletzungen, Geburtskomplikationen, epileptischen Anfällen oder Schlaganfällen. Dann könnten Antikörper ins Gehirn gelangen und dort Schäden verursachen oder auch verhüten.

Die Professorin zeigte Statisken, nach denen Patienten mit einem bestimmten Antikörper und bei sonst fest geschlossener Blut-Hirn-Schranke Schlaganfälle glimpflicher überstehen als andere Patienten.

Produziert werden die Antikörper von bestimmten weißen Blutkörperchen, den B-Lymphozyten, sagte Wienands. Ungeklärt sei bis heute, warum die Lymphozyten manchmal auf einen Fremdstoff mit der Produktion von Antikörpern reagierten und manchmal nicht.

Antikörper, die körpereigene Stoffe ausschalten

Wienand ging auf Autoantikörper ein, Antikörper, die körpereigene Stoffe für körperfremd halten und ausschalten. Der menschliche Darm sei mit Bakterien ausgekleidet, deren Zahl die der Körperzellen übertreffe. Sie spielten eine wichtige schützende Rolle. Das Immunglobulin A betrachte diese Bakterien normalerweise als körpereigen. Es gebe aber Fälle, wie sie die Bakterien als körperfremd einstuften und ausschalteten. Die betroffenen Menschen litten dann unter einer chronischen Darmentzündung.

Wienand ging zudem auf neue medizinische Entwicklung ein. Biosimilars seien speziell geschneiderte Antikörper, die das Wachstum von Tumoren stoppten. Sie würden bereits erfolgreich gegen Brustkrebs eingesetzt. Er berichtete, dass das Immunsystem Tumorzellen erkennen und ausschalten würde. Die Tumorzellen reagierten darauf, in dem sie ihrerseits die T-Zellen lahm legten. Mediziner forschten darüber, wie sich die T-Zellen erneut stimulieren ließen. Das führe allerdings zu unerwünschten Nebenwirkungen.

Die Denk-Bar ist eine Initiative des Exzellenzclustens und des DFG-Forschungszentrums Mikroskopie im Nanometerbereich und Molekularphyiologie des Gehirns.

Von Michael Caspar

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