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Übergewichtige in Deutschland stigmatisiert

Universitätsmedizin-Studie Übergewichtige in Deutschland stigmatisiert

Fast ein Viertel aller Deutschen, nämlich 23 Prozent, stigmatisiert Übergewichtige aufgrund ihres Gewichts. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie mit 1001 Teilnehmern, die das Institut für Ernährungspsychologie an der Universitätsmedizin Göttingen zusammen mit TNS Infratest Consumer & Retail, Frankfurt am Main, im September durchgeführt hat.

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Übergewichtige Menschen leiden unter Stigmatisierung. Eine Göttinger Studie hat sich mit dem Thema befasst.

Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. "Stigmatisierung hilft übergewichtigen Menschen nicht, Stigmatisierung motiviert sie auch nicht, sondern verschlimmert das Problem", sagt Dr. Thomas Ellrott, Studienleiter und Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie an der Universitätsmedizin Göttingen. "Denn Stigmatisierung und Diskriminierung von Übergewichtigen können zu Depressionen, geringem Selbstwertgefühl und zu einer verringerten Wahrscheinlichkeit eines Abnahmeerfolgs führen."

Weitere Ergebnisse der Studie sind: Die Stigmatisierung von Übergewichtigen nimmt mit dem Alter der Befragten zu. Frauen stigmatisieren stärker als Männer. Mit steigender Bildung nimmt die Stigmatisierung deutlich ab. In den alten Bundesländern werden Übergewichtige stärker stigmatisiert (25 Prozent) als in den neuen Ländern (15 Prozent). Auch das eigene Gewicht der Befragten hat erheblichen Einfluss auf die Bewertung. Unter- und Normalgewichtige stigmatisieren stärker als Übergewichtige oder stark Übergewichtige. Selbstbetroffene haben ein besseres Verständnis für die Situation von Übergewichtigen. Darüber hinaus ergab die Studie einen klaren Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Stigmatisierung und einer möglichen Benachteiligung im Berufsleben. 14 Prozent der Bevölkerung würden, wenn sie Personalentscheidungen zu treffen hätten, Übergewichtige wegen deren Gewichts nicht einstellen.

Übergewicht allein als Folge von Willensschwäche und Faulheit anzusehen, sei wissenschaftlich widerlegt, so Ellrott. Es gäbe sowohl genetische Ursachen als auch Umwelteinflüsse, die erheblichen Einfluss auf das individuelle Gewicht haben. "Teile der Gesellschaft dürfen Übergewichtige nicht länger als Menschen zweiter Klasse betrachten, sondern müssen ihnen ohne Vorurteile fair begegnen", sagt Ellrott. "Das gebietet allein die Menschenwürde und das ist auch eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Therapie."

Die Ergebnisse der Untersuchung werden am Samstag, 6. Oktober, bei der 28. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) e.V. in Stuttgart präsentiert.

HINTERGRUND - DAS PROBLEM DER STIGMATISERUN

Figurbezogene Diskriminierung und Stigmatisierung werden von vielen, vor allem stark Übergewichtigen häufig erlebt und haben erhebliche Konsequenzen. Stigmatisierung wird als Ablehnung und sozialer Ausschluss empfunden und erfüllt somit viele Charakteristika von körperlichen Schmerzen. Eine gewichtsbezogene Stigmatisierung ist oft mit Depression und geringem Selbstwertgefühl verbunden und führt gerade nicht zu einer gesteigerten Motivation abzunehmen. Im Gegenteil: Eine starke Stigmatisierung reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass Übergewichtige erfolgreich ihr Verhalten ändern.

In einer kürzlich veröffentlichten Studie konnte gezeigt werden, dass stark Übergewichtige wesentlich mehr aßen, während ihnen - im Vergleich zu neutralen Filmen - Filmmaterial mit Stigmatisierung von Übergewichtigen gezeigt wurde (Schvey et al. 2011). Stigmatisierung von Übergewicht verschlimmert daher die Situation der Betroffenen, anstatt sie zur Verhaltensänderung zu motivieren. Stephan Zipfel und Ansgar Thiel von der Universität Tübingen konnten in einer weiteren aktuellen Studie zeigen, dass vor allem übergewichtige Frauen von Personalentscheidern erheblich stigmatisiert werden und so auch in der Arbeitswelt schlechtere Chancen haben (Giel et al. 2012).

umg

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