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Umgang mit Behinderung und ihre Bedeutung für Hochschulen

Barrierefreiheit Umgang mit Behinderung und ihre Bedeutung für Hochschulen

„Barrierefrei“ meint mitnichten nur Rollstuhlrampen. Die Bedürfnisse von körperlich oder geistig beeinträchtigten Menschen werden von der Gesellschaft oft missverstanden und bedürfen noch juristischer Regulation. Prof. Felix Welti, Leiter des Fachgebiets „Sozialrecht der Rehabilitation und Recht der behinderten Menschen“ am Institut für Sozialwesen der Universität Kassel, hat in einem Vortrag die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) und ihre Bedeutung für Hochschulen erörtert.

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Muss von behinderten Menschen oftmals eingefordert werden: Zugang zu universitärer Lehre und Forschung.

Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Die vom Netzwerk Diversity an der Universität Göttingen organisierte Reihe „Behindernde Zustände“ soll auf soziale Aspekte der natürlichen Verschiedenheit aufmerksam machen. Welti verdeutlichte, dass Behinderungen „oft auf ein soziales Problem der Betroffenen reduziert werden“.

Die Behindertenrechtskonvention (BRK), die 2008 vom Bundestag ratifiziert wurde und 2009 in Kraft getreten ist, begreift den Umgang mit Behinderungen hingegen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. In Artikel 3 der Konvention, die rechtlich an andere Menschenrechtsabkommen angelehnt ist, werden als Grundsätze die Chancengleichheit, Zugänglichkeit und Gleichberechtigung behinderter Menschen gefordert. Dieser Anspruch, so stellte Welti klar, sei gleichwertig mit anderen Bundesgesetzen.

Die von 136 Staaten ratifizierte BRK diene in Deutschland vor allem als Auslegungshilfe für das Verfassungsrecht und sei auf Bundes- und Landesebene anwendbar. Gleichwohl verbleibt die Verantwortung für die Umsetzung bei den Unterzeichnerstaaten und wird nicht extern kontrolliert.

Bei der Bewertung der Konvention sei ein Blick in die Praxis daher unbedingt erforderlich. Denn solange Auslegungsspielräume vorhanden seien, treffe oft Gerichte die Pflicht, der konventionsgemäßen Auslegung von Fall zu Fall Vorrang zu geben.

„Gleichberechtigte Prüfungsbedingungen“

„Im Alltag ist die Diskriminierung oft im Unterlassen begründet“, sagte Welti. An Hochschulen sollten beispielsweise Legasthenikern „gleichberechtigte Prüfungsbedingungen“ ermöglicht werden, was schon mit einer Verlängerung ihrer Prüfungszeit zu erreichen sei. Zudem müsse die Zugänglichkeit der Räume für alle gewährleistet werden, blinden Menschen könne mit Texten auf Braille das Studium ermöglicht werden.

„Es gibt dafür aber keine Standards“, sagte Welti und ermutigte Behindertenverbände notfalls zur gerichtlichen Klärung – auch wenn zwei Drittel solcher Klagen derzeit verloren werden. Es gehe aber vor allem um juristische Grundsatzentscheidungen, damit die BRK für Deutsches Recht verbindlicher gestaltet werden könne.

Dies ist nötig, da die Barrierefreiheit, also der nicht allein physische Zugang zu universitärer Lehre, oftmals noch eingefordert werden muss, anstatt institutionell verankert zu sein. Welti stellte klar: „Damit das gelingt, müssen alle Beteiligten, auch wir, Mitverantwortung tragen“.

Von Jonas Rohde

Am Montag, 27. Januar, um 16.15 Uhr spricht Prof. Rolf Werning vom Institut für Sonderpädagogik der Universität Hannover spricht im Zentralen Hörsaalgebäude, Platz der Göttinger Sieben 5, Hörsaal 002, über „Inklusion: Herausforderung für eine neue Lehrerbildung?“.
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