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Ungleichheitssensible Hochschullehre?

„Schablonenhafte Vorstellungen von Studierendengruppen“ Ungleichheitssensible Hochschullehre?

Wie sensibel sind Lehrende? Dr. Kathrin Rheinländer von der Europa-Universität Flensburg hat sich mit diesem Thema befasst. In der Vortragsreihe „Alle Gleich Anders!? Diversity in Theorie und Praxis“ der Universität Göttingen hat sie über ihre Forschungsergebnisse zur Verschiedenheit gesprochen.

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Studierende im Hörsaal: Wie nehmen Hochschullehrer sie wahr?

Quelle: dpa

Göttingen. „Diversity ist ein konstituierender Bestandteil des Leitbildes von Hochschulen“, beginnt Rheinländer ihre Präsentation. „Diversity ist eine Programmatik, die Studierendengruppen mit heterogenen Ausgangslagen integrieren soll.“ Gleichwohl gebe es wenig Forschung darüber, wie Lehrende ihre Studierenden wahrnehmen.

Um dieser Frage nachzugehen, hat Rheinländer qualitative Interviews mit Professoren einer Fachhochschule durchgeführt. „Dabei wollte ich herausfinden, welche Lehr- und Lernüberzeugungen und Ungleichheitsorientierungen die Lehrenden haben“, beschreibt sie ihr Forschungsinteresse. Einen Fokus habe sie auf die Öffnung der Hochschulen gegenüber Studierenden des Dritten Bildungsweges gelegt.

Rheinländer stellt fest: „Die Lehrenden haben kaum Einblick in die Lebenswelt der Studierenden. Allenfalls gibt es diffuse Vorstellungen.“ Die Studierenden würden nach Art der Zulassungsvoraussetzungen klassifiziert. „So wie Fisch, Fleisch und Geflügel ungefähr“, sagt die Forscherin, die in ihrer Ausdrucksweise ansonsten eher abstrakt-wissenschaftlich bleibt. Danach, so Rheinländer, werden Abiturienten bessere Kenntnisse zugeschrieben. Die Studierenden des dritten Bildungsweges hingegen würden von den Professoren nicht so hochgeschätzt. „Die Zuschreibungen beruhen auf schablonenhaften Vorstellungen von Studierendengruppen, nicht auf Kompetenzanalysen“, kritisiert Rheinländer.

„Die Hochschullehrenden sind allenfalls lose an die Diversity-Programme gekoppelt“, resümiert sie. Die Probleme und Differenzen würden delegiert, weil die Lehrenden sich nicht zuständig fühlten: „Auch wenn man ungleichheitssensibler wäre, rechtfertigt man sich mit organisatorischen Zwängen.“

Die Forschungsstudie hat nur eine kleine Fallzahl, es wurden neun Interviews geführt. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne weiteres verallgemeinern. Ob sie ihre Untersuchungen fortführen wird, weiß Rheinländer noch nicht. „Man untersucht ja auch nicht die eigenen Kollegen“, gibt sie zu bedenken. Dr. Daniela Marx vom Gleichstellungsbüro der Uni Göttingen schätzt Rheinländers Forschungsergebnisse als fachhochschulspezifisch ein. „In Göttingen fällt den Lehrenden nicht als erstes der Hochschulzugang ein“, sagt sie.

Von Jorid Engler

In der Reihe „Alle Gleich Anders!? Diversity in Theorie und Praxis“ spricht Dr. Christina Möller über „Diversität unter Professor*innen - Soziale Herkunft, Geschlecht und Migration“. Der Vortrag beginnt um 18.15 Uhr am Mittwoch, 13. Januar, im Verfügungsgebäude der Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben 7, Raum 4.101.

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