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Campus Göttingen Uni Göttingen: Prof. Matin Qaim forscht gegen Hunger und Armut
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06:00 11.01.2019
„Hochrangige Politikberatung“: Prof. Matin Qaim. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Qaim und Mitarbeiter konzentrieren sich auf wirtschaftliche Aspekte der ländlichen Entwicklung, auf die Lebenslage von Produzenten mit niedrigem und mittlerem Einkommen, „wobei der Schwerpunkt auf Mikrohaushalten liegt“ – meist in kleinbäuerlichen Verhältnissen, so der Lehrstuhlinhaber.

„Unmittelbare Politikrelevanz“ der Forschung von Matin Qaim

Vor allem in Asien und Afrika entwickeln Qaim und seine Arbeitsgruppe Projekte. Meist in Kooperation mit internationalen Institutionen und Einrichtungen vor Ort – „nie über einen langen Zeitraum, aber insgesamt bisher mehrere Jahre“ sei er in etwa 20 Ländern präsent gewesen, sagt der 49-Jährige. Die Ergebnisse der Studien hätten „unmittelbare Politikrelevanz“ – heißt: sie gehen über Grundlagenforschung und Lehre hinaus. Nach der Veröffentlichung von Resultaten in international angesehenen Journalen sei für viele Forscher ihr aktueller Job beendet – für ihn nicht, betont Qaim. Er kommuniziert Daten gegenüber der Politik zur Überprüfung von Handlungsmöglichkeiten. Seine dritte wichtige Aufgabe sei die Information der Öffentlichkeit. „Durch Aufarbeiten der Ergebnisse für unterschiedliche Leserkreise und Berufsgruppen, durch Vorträge, durch Beratertätigkeit in Gremien.“

Fair Trade, Gentechnik, nachhaltige ländliche Entwicklung

Hauptziel seiner Arbeit sei, „Erkenntnisse und Wissen hervorzubringen, wie Hunger und Armut in der Welt verringert werden können“ – also einen mitentscheidenden Beitrag zu leisten, um Fachleute und Praktiker in die Lage zu versetzen, Strategien für Veränderungen zu entwerfen und die „nachhaltige ländliche Entwicklung einschließlich der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Dimensionen“ zu realisieren. „Ziel ist, dass die Ärmsten der Armen Wege finden, aus ihrer Lage herauszukommen.“ Wichtige Themen seien unter anderem, „Kleinbauern an Märkte anzuschließen“, die „Verbesserung der Rolle der Frau“, „Fair Trade“, oder Regenwaldabholzung sowie Gentechnik: „Sie hat Potenziale, wird aber nicht alles richten.“

Rolle der Frau in der Gesellschaft stärken

Qaims Forschung betreffe nicht nur Untersuchungen zur Ertragssteigerung, Ernährungsvielfalt und Einkommenserhöhung. „Es geht uns auch um die soziale Komponente auf Mikroebene. Wer trifft die Entscheidungen im Haushalt? Studien ergaben: Ein Dollar in der Hand einer Frau hat einen ganz anderen Stellenwert in Bezug auf Ernährung, gesunde Ernährung und Mikronährstoffe als ein Dollar in der Hand eines Mannes. Folglich ist ein Ziel, die Rolle der Frau im Haushalt und in der Gesellschaft zu stärken.“

Treffen mit Papst Franziskus: Matin Qaim ist auf Einladung der päpstlichen Akademie der Wissenschaften als Experte zu Besuch im Vatikan. Quelle: r

Qaim ist ein gefragter Mann. „Hochrangige Politikberatung“ leistet er unter anderem in einem Beirat des Bundeministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz. „Seit 2017 arbeite ich in einer Expertengruppe für die britische Regierung im Bereich Ernährung mit Blick auf Entwicklungsländer.“ Zweimal wurde Qaim an die päpstliche Akademie der Wissenschaften eingeladen, um im Vatikan „über die Rolle neuer Agrartechnologien für die Hungerbekämpfung zu referieren und zu beraten.“

Auszeichnung Fellow der AAEA wird selten an einen Titelträger außerhalb der Vereinigten Staaten vergeben

Die Auszeichnung als Fellow (das Tageblatt berichtete) der Amerikanischen Gesellschaft für Agrarökonomie freut Qaim nicht nur: „Sie macht mich auch stolz. Nicht nur in unserem Bereich, in vielen Wissenschaftsbereichen gibt es in den USA Top-Departments. In der AAEA ist das Who is who der internationalen Agrarökonomieszene vertreten. Der ,Oscar‘ wird selten an Preisträger außerhalb der USA vergeben. Bei der AAEA ist das ebenso. Ich glaube, in Europa gibt es außer mir nur einen Fellow. Und im Vergleich zu den meisten bin ich jung. Das hat mich überrascht.“

Berkley – weltweit führendes Department für Agrarökonomie

Die Auszeichnung als Fellow der „Agricultural & Applied Economics Association, AAEA” mit Sitz in Milwaukee (USA) habe Prof. Matin Qaim für „seine wegweisende und weltweit angesehene Forschung zur Ernährungssicherung und nachhaltigen landwirtschaftlichen Entwicklung, insbesondere auch seine vielfältigen internationalen Kooperationen und sein großes Engagement für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses“ erhalten, teilt die Pressestelle der Uni Göttingen mit. Qaim promovierte 2000 an der Uni Bonn, war als Visiting Research Fellow an der University of California in Berkley (USA) tätig, habilitierte 2003 in Bonn, erhielt 2004 mit 34 Jahren eine volle Professur an der „in Agrarkreisen wichtigsten Agrarfakultät Deutschlands“ (Uni Hohenheim); 2007 folgte er dem Ruf an die Uni Göttingen.

Von Stefan Kirchhoff

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