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Campus Göttingen Uni Göttingen an Zentrum für Genomforschung beteiligt
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19:27 11.01.2013
Fachlich verdiente Festredner: Gerhard Gottschalk (links) und Michael Hecker. Quelle: Vetter

Um diesen vielschichtigen Verantwortungen in Zukunft gerecht werden zu können, haben sechs norddeutsche Wissenschaftseinrichtungen ihre Kompetenzen auf diesem Gebiet gebündelt. Das Ergebnis: Das Norddeutsche Zentrum für Mikrobielle Genomforschung (NZMG), das mit einem Festakt in der Aula am Wilhelmsplatz der Georg-August-Universität Göttingen eröffnet wurde.

Der Zusammenschluss beinhaltet die Universitäten von Göttingen und Greifswald, die Technische Universität Braunschweig, die Medizinische Hochschule Hannover, das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig sowie das Leibniz-Institut DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig.

Mehr als ein bloßer Verbund

Die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Prof. Johanna Wanka (CDU), machte in ihrer Eröffnungsrede den Umstand deutlich, dass es sich bei dem Zusammenschluss nicht um ein räumlich definiertes Zentrum handelt, wie der Name suggeriert. Vielmehr handele es sich bei der NZMG um ein Beispiel der themengeleiteten Verbundforschung mit Vorbildcharakter für ganz Deutschland.

„Der Name drückt aus, dass es doch mehr ist, als ein bloßer Verbund“, lobte die Ministerin. Gleichzeitig blickte sie wohlwollend auf das Modell, das die Aufgabenverteilung und Öffentlichkeitsarbeit aller teilnehmenden Institutionen verstärkt synchronisieren soll. Insbesondere das neue Verständnis einer zentralisierteren Öffentlichkeitsarbeit bewertete sie als zentrale Aufgabe: „Das Nord-Süd-Gefälle ist immer noch sehr stark in der öffentlichen Wahrnehmung der Wissenschaftslandschaft“, gab Wanka zu bedenken.

Auch Prof. Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Georgia Augusta, freute sich über „großes Potenzial in vielen relevanten Themengebieten“. Zusätzlich sei die „exzellente Ausbildung von Nachwuchs“ eine weitere wichtige Aufgabe des NZMG.

Der Weg zum Zentrum

Prof. Michael Hecker vom Institut für Mikrobiologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald ist eines der Gründungsmitglieder des Zentrums und zeichnete in seinem Festvortrag „Von der Strukturanalyse der Forschung in Norddeutschland zum NZMG“ den Prozess nach, der zum neuen Forschungsverbund geführt hat.

Der Startschuss war eine Strukturanalyse der Wissenschaftslandschaft, die 20 Experten der Arbeitsgemeinschaft Mikrobielle Genomforschung im März 2011 angestellt haben. Die Disziplin wurde damit „konzentriert und wettbewerbsfähig“ gemacht, wie Hecker verdeutlichte. Insbesondere im Angesicht der steigenden Todesraten bei Infektionskrankheiten sei diese Entwicklung auch dringend notwendig.

Das NZMG scheint diesem Anspruch mit seinem Forschungsschwerpunkt auf mikrobiellen Krankheitserregern gewachsen zu sein. Aber auch Mikroorganismen, die den Stoffwechselkreislauf der Meere und damit das Klima beeinflussen, sollen im Verbund in den Blick genommen werden.

Existenzielle Fragen des Lebens beantworten

Prof. Gerhard Gottschalk vom Institut für Mikrobiologie und Genetik der Universität Göttingen verdeutlichte mit seinem Festvortrag „Die BioModerne – faszinierend und weltbewegend“, warum Ergebnisse der Genomforschung so wichtig sind. Die Biowissenschaften seien imstande, existenzielle Fragen des Lebens zu beantworten.

Durch die Dekodierung der DNA von Mikroorganismen ließen sich die unterschiedlichsten Problemfelder bearbeiten. Dies illustrierte Gottschalk daran, dass jeder Mensch der Lebensraum einer beträchtlichen Anzahl von Mikroorganismen ist, die in ihrer Gesamtheit als „Humanes Mikrobion“ bezeichnet werden. Dieses wirke „wie ein zusätzliches Organ“, erklärte der Göttinger Forscher. So katalysieren Mikroben unsere Verdauung oder schützen vor Infektionen.

Gleichzeitig können Mikroorganismen in Form von Bakterien auch lebensbedrohlich sein. Der EHEC-Ausbruch forderte deutschlandweit 50 Tote, die erste Publikation zur Analyse des Erregergenoms kam erfreulicherweise vom Göttinger Labor für Genomanalyse, wie Gottschalk lobend feststellte. Dieses ist als Teil der Georgia Augusta auch in das neue Zentrum eingebunden, das derartige Kompetenzen nun überregional zu bündeln vermag.

Von Jonas Rohde

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