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Göttingen Uni Kassel untersucht Geschichte der Tier-Mensch-Beziehungen
Campus Göttingen Uni Kassel untersucht Geschichte der Tier-Mensch-Beziehungen
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01:06 16.06.2015
Mieke Roscher hat die bundesweit erste Professur für die Geschichte der Beziehung zwischen Tieren und Menschen inne. Quelle: EF
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Kassel

Nicht der Mensch allein präge die Geschichte, so Roscher: „Ohne Tiere lässt sich die menschliche Geschichte nicht erklären.“ Tier und Mensch hätten sich in einer „kulturellen Koevolution“ entwickelt. Die Historikerin verweist etwa auf die Phase des Neolithikums. In der gab der Mensch das Nomadenleben auf und wurde sesshaft. Immer stärker gründete seine Existenz auf Haustieren, sei es für die Ernährung oder für die Bewirtschaftung der Felder.

 
Ein Problem der Animal History sei, dass Tiere anders als Menschen keine Quellen hinterlassen – außer etwa ihren Knochen, die in Gräbern zusammen mit denen ihrer Besitzer zu finden sind. Für Roscher ist dieses Defizit keine neue Herausforderung. Auch für die Geschlechtergeschichte, einen ihrer weiteren Forschungsschwerpunkte, gelte, dass Frauen kaum Quellen hinterlassen haben. Ähnlich dünn ist die Quellenlage für unterprivilegierte Gruppen. Es gelte deshalb, diese Quellen „neu zu lesen“, sie „gegen den Strich zu bürsten“. Aus Statistiken oder anderen Wirtschaftsinformationen lassen sich zum Beispiel diverse Informationen darüber ziehen, welche Tierarten gehalten wurden, welchen Wert sie hatten und welche mythologische Bedeutung bestimmten Arten zugeschrieben wurde.

 
Roscher richtet ihren Fokus dabei auf die Neue und Neueste Geschichte, außer mit dem kolonialen Britisch-Indien beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit dem Dritten Reich. Über den Nationalsozialismus sei breit geforscht worden, doch die Perspektive auf die Einbindung von Tieren in das ideologische Konzept der Nazis ermögliche viele neue Einblicke. So stamme das erste deutsche Tierschutzgesetz, das bis 1972 in der Bundesrepublik gültig und weltweit vielfach kopiert worden war, aus dem Jahre 1933. Eindeutig seien darin antisemitische Tendenzen festzustellen, etwa durch das Schächtverbot. Die Massentierhaltung ist nach Roschers Interpretation ebenfalls in dieser Zeit konzeptuell angelegt, als die Nazis den Zweiten Weltkrieg planten und dafür die Agrarwirtschaft umstrukturierten. Neben Menschen wurden dann auch Hunde für den Krieg „gemustert“ und an die Front „eingezogen“.

 
Roscher (Jahrgang 1973) studierte in Göttingen, Bremen und in London und promovierte an der Universität Bremen zur Geschichte der britischen Tierrechtsbewegung. Danach war sie als Post Doc am Deutschen Historischen Institut in London tätig.

 
Im Kasseler Schwerpunkt „Tier-Mensch-Gesellschaft“ arbeiten außer Historikern, wie Roscher, auch Agrarwissenschaftler, Germanisten, Kunsthistoriker, Philosophen und Theologen mit. sw/eb

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