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Göttingen Neues Auswahlverfahren in Vorbereitung
Campus Göttingen Neues Auswahlverfahren in Vorbereitung
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11:23 30.06.2018
Prof.Tobias Raupach Quelle: r
Göttingen

Der STAV nimmt am 1. Juli seine Arbeit auf. Unter der Leitung des Universitätsklinikums Eppendorf arbeiten neben der Universitätsmedizin Göttingen ( UMG) auch die Charité Berlin und die Universitäten Münster, Heidelberg und Saarbrücken gemeinsam an der Weiterentwicklung der Auswahlverfahren von Medizinstudenten in Deutschland. Der STAV untersucht die Qualität bestehender Verfahren, um dann neue Tests zur Messung kognitiver, sozialer und kommunikativer Fähigkeiten der zukünftigen Studenten zu entwickeln.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert den Aufbau dieses deutschlandweiten Verbundes mit insgesamt drei Millionen Euro für drei Jahre. Das Göttinger Uni-Klinikum erhält 300000 Euro. Ziel ist die Einrichtung eines gemeinsamen Studierendenauswahlzentrums aller medizinischen Fakultäten, das die Einführung wissenschaftlich fundierter, strukturierter und standardisierter Auswahlverfahren fördern soll.

Bisheriges Verfahren teils verfassungswidrig

„Die Ergebnisse der Arbeit in diesem Verbund werden wichtige Akzente setzen“, sagt Prof. Heyo K. Kroemer, Dekan der Medizinischen Fakultät an der UMG und Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT). „Der von Bund und Ländern verabschiedete Masterplan Medizinstudium 2020 sieht eine Neuregelung der Zulassungsverfahrens vor, und im Dezember 2017 hat das Bundesverfassungsgericht einige Teile der aktuell gültigen Verfahrensweise für verfassungswidrig erklärt. Wir wollen, dass neben der Fairness bei der Auswahl besonders die Eignung für Studium und Beruf im Vordergrund steht.“

Am Göttinger Uni-Klinikum werden bereits seit fünf Jahren 60 Prozent der Studienplätze durch ein fakultätseigenes Auswahlverfahren vergeben. Die Bewerber, die zunächst anhand verschiedener Kriterien durch die Stiftung Hochschulstart ausgesucht werden, sprechen unter anderem mit Professoren der UMG über ihre Motivation. In diesem Rahmen wird auch ihr Potenzial eingeschätzt, das Studium erfolgreich abzuschließen und sich wissenschaftlich zu betätigen.

Stressresistenz und Empathie

Im Anschluss demonstrieren die Bewerber in vier gestellten Situationen ihre Fähigkeit, mit alltäglichen medizinnahen Fragen und Problemen umzugehen. Hierfür werden unter anderem eine gute Stressresistenz, kommunikative Kompetenzen, verbale Fähigkeiten und Empathie benötigt.

Prof. Lorenz Trümper, Direktor der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie Quelle: Theodoro Da Silva

„Unser Auswahlverfahren entspricht bereits in weiten Teilen dem, was vom Bundesverfassungsgericht gefordert wird“, sagt Prof. Lorenz Trümper, Studiendekan der Medizinischen Fakultät. „Wir wollen aber mehr darüber erfahren, wie sich unterschiedliche Gewichtungen der einzelnen Komponenten in der Auswertung auf die endgültige Auswahl der Studierenden auswirken. Das geht am besten gemeinsam mit anderen Fakultäten, die ebenfalls eigene Verfahren anwenden.“

Neben den sechs Verbundpartnern wollen 20 Kooperationspartner ihre Daten beisteuern, um die vielen verschiedenen, in Deutschland eingesetzten Kriterien bewerten zu können.

Göttinger Schwerpunkt

In dem für einen Zeitraum von drei Jahren konzipierten Projekt werden am Uni-Klinikum Prüfungen entwickelt, in denen erfolgreiche Bewerber in den ersten Jahren ihres Studiums ihre tatsächlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten unter Beweis stellen können. „Die UMG“, erklärt das Klinikum, „besitzt eine große Expertise für solche Testverfahren, die sowohl auf praktische Fertigkeiten als auch auf die Befähigung zum klinischen Denken abzielen.“

„Wir setzen praktische Prüfungen und computerbasierte Verfahren zur Überprüfung des klinischen Denkens bereits seit vielen Jahren im regulären Studienbetrieb und in Lehr-Forschungsprojekten ein und haben hiermit sehr gute Erfahrungen gemacht“, betont Prof. Tobias Raupach, Leiter des Bereichs Medizindidaktik und Ausbildungsforschung im Studiendekanat der UMG.

An den anderen Standorten des Verbundes werden weitere Tests entwickelt, mit denen die Befähigung zum Studium einerseits hinsichtlich der naturwissenschaftlichen Voraussetzungen und andererseits hinsichtlich psychosozialer Kompetenzen gemessen werden soll.

Von Matthias Heinzel

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