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Göttingen Baumskulptur mit sieben Eulen
Campus Göttingen Baumskulptur mit sieben Eulen
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16:30 30.10.2018
Martin Trauter mit seiner Baumskulptur. Quelle: Peter Krüger-Lenz
Göttingen

Motorsägenschnitzer steht hinten auf dem Kapuzenpullover von Martin Trauter. Er ist Angestellter der Universität und hat dort sein Hobby eingebracht: Er schnitzte eine Baumskulptur.

Riesig muss die Tunja gewesen sein, ein Baum, den man nur selten in dieser Größe zu sehen bekommt, sagt Trauter. Auf eine Höhe von bis zu 15 Metern schätzt er die ursprüngliche Höhe, das Alter auf mehr als 150 Jahre. Der Baum auf dem Unigelände am Käte-Hamburger-Weg war abgängig, er habe „statische Risse“ aufgewiesen und hätte gefällt werden müssen. Doch stattdessen kam man auf die Idee, ihn mit einem Entwurf zu betrauen. „Es sollte mit der Universität zu tun haben“, berichtet der 40-Jährige von seinem Auftrag.

Sieben Eulen blicken nun von den vier Stämmen, in die der Baum sich verzweigt hatte, der Vogel der Weisheit und ein Verweis auf die Göttinger Sieben, die gegen 1837 gegen die Aufhebung einer liberalen Verfassung protestierten und sich damit gegen König Ernst August I stellten. Alle wurden entlassen, drei darüber hinaus des Landes verwiesen.

Gründungsdatum der Universität

1737 ist senkrecht in den senkrechten Arm geschnitten, das Gründungsdatum der Universität. „In publica commoda“ steht auf dem rechten Ausleger zu lesen, „Zum Wohle aller“, das Motto der Georgia Augusta. Sieben Bücher stapeln sich am vierten Stamm, wiederum ein Verweis auf die Weisheit. Mit dem Schriftzug „Welcome“ begrüßt Trauter Wissenschaftler und Studierende aus dem Ausland. Und ein Stück darunter hat sich Trauter selbst verewigt, mit seinem Logo MT.

Einen groben Entwurf habe er vorgezeichnet, erläutert Trauter. Doch dann direkt in den Stamm gearbeitet. Sechs Motorsägen habe er für die Arbeiten von zu Hause aus Wöllershausen mitgebracht, wo er in einem Schuppen seinem intensiven Hobby nachgeht, darunter auch die zweitgrößte Säge der Firma Stihl mit einer 70er-Schiene, einer wuchtigen Säge. „Ein echter Koffer“, sagt Trauter. „Da war ich froh, als Feierabend war.“

Schnitzen er während der Arbeitszeit

Zwei Ausbildungsberufe hat Trauter absolviert, als Forstwirt in der freien Wirtschaft gearbeitet, später als Gärtner in der Universität. Inzwischen ist er dort ins Gebäudemanagement Lüftungsbau gewechselt. Die Baumskulptur schnitzte er während seiner Arbeitszeit. Gut neun Tage habe er an dem Werk gearbeitet, dabei zwei Tage pausiert, weil ihn einem benachbarten Gebäude Prüfungen anstanden. Alles habe mit Absprachen gut funktioniert.

Unterstützt wurde er von den Gärtnern der Universität, die das abgesägt Restholz und die Späne beseitigten, später die fertige Skulptur noch lackierten. Besondere Reiz entfalte sie durch den Kontrast zwischen dem hellen Splintholz, das unter der Rinne sitzt, und dem dunklen Kern.

Angestachelter Ehrgeiz

In der Berufsschule sei er zu dem Hobby gekommen, erinnert sich Trauter. Ein Kollege habe ein Eule schnitzen können, er nicht. Das stachelte offensichtlich Trauters Ehrgeiz an. Heute hat er aus dem Hobby einen Nebenerwerb gemacht. „Ich verbringe jede freie Minute an der Säge.“ Manchmal sind auch seine beiden Kinder dabei, elf und sieben Jahre alt. Nicht aber, wenn er mit den Sägen hantiere. „Dabei haben Kinder nichts zu suchen.“

Inzwischen habe er schon ein paar Motive im Repertoire, sagt Trauter und zählt auf: Waldgeister, Pilze, Adler und einiges mehr. Die Arbeit habe ihm viel positives Feedback eingebracht, auch auf dem Gelände der ehemaligen Frauenklinik zwischen Goßlerstraße und Humboldtallee. Auch all jene, die gefragt hätten, warum der Baum weg müsse, hätten die Erklärung der mangelhaften Statik eingesehen und akzeptiert, berichtet Trauter. „Bäume erhalten, ist unser oberstes Ziel“, sagt der Motorsägenschnitzer schließlich, „doch bevor wir es sie wegschneiden, machen wir was draus“.

Von Peter Krüger-Lenz

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