Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Universität Göttingen auf dem Weg zur europäischen Hochschule?
Campus Göttingen Universität Göttingen auf dem Weg zur europäischen Hochschule?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:31 23.05.2018
Europafahnen flattern in Brüssel (Belgien) am Gebäude der Europäischen Kommission. Quelle: imago stock&people
Göttingen

Der europäische Gedanke geht durch eine schwere Zeit, unter anderem der wiedererwachende Nationalismus und die Absetzbewegungen von der EU bedrohen das Friedensprojekt durch Vernetzung. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, schlug der französische Präsident Emmanuel Macron die Gründung Europäischer Universitäten vor, welche die europäische Identität und die europäischen Werte durch Bildung und Kultur stärken sollen.

Gegenwärtig laufen auf EU-Ebene Diskussionen, wie diese Idee konkret umgesetzt und ausgestaltet werden kann. Mit dabei: Prof. Hiltraud Casper-Hehne, Vizepräsidentin für Internationales der Universität Göttingen, die die EU-Kommission bei der Weiterentwicklung der Idee und den Vorbereitungen einer Ausschreibung für den Herbst 2018 berät.

Hiltraud Casper-Hehne, Vizepräsidentin der Universität Göttingen, stellt am Donnerstag, 24. Mai, in Brüssel Vertretern der Niedersächsischen Landesregierung und der EU-Kommission das U4-Netzwerk vor.

Einig ist man sich, dass nur schon bestehende Hochschul-Verbünde mit vier bis sechs Teilnehmern als Europäische Universitäten infrage kommen. Diskussionen gibt es auch noch darüber, welche großen Forschungsthemen die Europäischen Universitäten verfolgen sollen oder wie eine geographische Balance innerhalb Europas gewahrt werden soll.

Das große Ziel lautet Mobilität zwischen den Verbund-Universitäten unter dem Dach Europäische Universität zu erhöhen – auf 50 Prozent bis 2025. Ein sehr ambitioniertes Ziel sei das, so Casper-Hehne, denn europaweit liege die Mobilitätsrate momentan erst bei sechs Prozent.

„Um das zu erreichen, müssen wir noch viel mehr tun, um andere Zielgruppen zu aktivieren, wie Studierende aus sozial schwachen Familien, solche mit Migrationshintergrund oder körperlichen Beeinträchtigungen“, erklärt Casper-Hehne. Mobilität jedoch nicht nur für Studierende, sondern auf allen Ebenen – auch Forschung und Verwaltung sollen deutlich stärker kooperieren.

U4 als Best Practice Example

Göttingen bringt durch das universitäre Netzwerk U4 mit Gent, Groningen und Uppsala sowie dem Neubeitritt Tartu einiges an Kooperationserfahrung mit. „U4 wird in Brüssel schon als ein Best Practice Example gehandelt“, so Casper-Hehne.

U4 wurde 2008 ins Leben gerufen. Die beteiligten Universitäten kannten sich bereits aus der Coimbra-Gruppe, ein Verbund von knapp 40 europäischen Universitäten. Da sie ein sehr ähnliches Profil aufwiesen, „wurde überlegt, ob man nicht ein kleineres, deutlich engeres Netzwerk bilden kann, mit einem größeren Vertrauen zwischen den Partnern und kurzen Wegen, so dass man schnell innovative neue Wege gehen kann“, sagt Casper-Hehne.

Zum zehnten Geburtstag von U4 haben die Netzwerkpartner eine „starke Bilanz“ vorzuweisen: Neun gemeinsame Master-Programme wurden konzipiert, die Mobilität zwischen den Hochschulen erhöht – sowohl Studenten als auch Forscher sowie Verwaltungsmitarbeiter sind im Netzwerk unterwegs, um Auslandserfahrung zu sammeln, die anderen Verwaltungsstrukturen kennenzulernen oder gemeinsame Forschungsprojekte umzusetzen.

Studiengang Euroculture

„Wir kooperieren nicht nur, wir lernen voneinander“, macht Casper-Hehne deutlich. „Groningen und Gent haben beispielsweise das Konzept einer nachhaltigen Universität schon weit entwickelt, davon haben wir Elemente übernehmen können.“ Und umgekehrt. Die U4-Universitäten sehen sich daher als ideal gerüstet, um bei einer Ausschreibung als Europäische Universität erfolgreich zu sein.

Der Trend zur tiefergehenden Vernetzung ist ungebrochen und lässt sich am Beispiel des Studiengangs Euroculture veranschaulichen, der schon deutlich vor U4 existierte und einen zweijährigen Master anbietet, der an zwei der zwölf europäischen Partneruniversitäten absolviert wird. Bislang bekamen die Absolventen einfach zwei Master-Abschlüsse der beiden Universitäten verliehen. Doch derzeit arbeiten die Programmteilnehmer daran, nur noch einen einzigen gemeinsamen Master zu vergeben. Das heißt, für viele Fragen muss ein Kompromiss gefunden werden: Mit welchem Notensystem arbeitet man, welche Inhalte müssen auf das Zeugnis, wer muss unterschreiben?

Über die Details einigen

„In einem europäischen Hochschulraum ist das Ziel nicht, dass jeder mit seinen Details weitermacht, sondern dass wir versuchen, uns über die Details zu einigen“, sagt Prof. Simon Fink, Politikwissenschaftler und Leiter des Euroculture-Programms an der Uni Göttingen. Das sei machbar, „aber es ist ein sehr langsamer Prozess der Anpassung. Per Federstrich ist das schlecht machbar.“

Doch das Gute daran: Sowohl Fink als auch Casper-Hehne sehen die große Bereitschaft aller Partner, genau diesen mühsamen Weg der Anpassung weiterzugehen. Am Donnerstag, 24. Mai, wird Vizepräsidentin Casper-Hehne in Brüssel vor Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU), Europaministerin Birgit Honè (SPD) und Vertretern der EU-Kommission das U4-Netzwerk vorstellen und über die Idee europäischer Universitäten diskutieren.

Von Sven Grünewald

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen Veranstaltung Profs@Turntables - Profs legen in Göttinger Clubs auf

Mehr als 25 Professoren unterschiedlicher Fakultäten der Universität Göttingen gehen in verschiedenen Clubs ans Mischpult bei Profs@Turntables am Donnerstag, 24. Mai.

23.05.2018
Göttingen Göttinger in Moskau ausgezeichnet - Doppelte Ehrenprofessor-Würde für Bertram Brenig

Bertram Brenig ist zum zweiten Mal mit einer Ehrenprofessur einer internationalen Universität geehrt worden – in Moskau. Zuvor hatte er den Titel bereits in China erhalten. Er ist Direktor des Tierärztlichen Instituts der Uni Göttingen.

23.05.2018
Göttingen AI-Vortrag in Göttinger Uni - Wasser ist Menschenrecht

Sauberes „Wasser als Menschenrecht“ ist Thema eines Vortrages am Donnerstag, 24. Mai, in der Reihe „Kaleidoskop der Menschenrechte”. Organisiert wird die Reihe von der Göttinger Hochschulgruppe in der Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

23.05.2018