Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Universitätsmedizin Göttingen beginnt Studie zur Blasenentzündung
Campus Göttingen Universitätsmedizin Göttingen beginnt Studie zur Blasenentzündung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:29 07.02.2013
Ildikó Gágyor und Eva Hummers-Pradier Quelle: UMG
Anzeige
Göttingen

An der Studie beteiligt ist das Institut für Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

„Mit dieser Studie wollen wir prüfen, wo wir in der Behandlung mit gutem Gewissen auf Antibiotika verzichten können“, sagt Dr. Ildikó Gágyor, Projektleiterin in Göttingen. ohne dass dadurch die Heilung eingeschränkt sei. In einer Pilotstudie erwies sich die symptomatische Therapie allein mit Schmerzmitteln als aussichtsreich. Die Frage nach der Wirksamkeit einer solchen  Therapie wurde bislang noch in keiner großen Studie untersucht. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördern das Projekt über vier Jahre mit rund 1,2 Millionen Euro. Das Institut für anwendungsorientierte Forschung und klinische Studien GmbH (IFS) Göttingen unterstützt die Abteilung Allgemeinmedizin bei der Durchführung und Auswertung der Studie.

Krankheitserreger „gewöhnen“ sich an Antibiotika, wenn sie häufig verschrieben werden. Die Folge: Irgendwann können auch bislang hilfreiche Antibiotika nichts mehr gegen Erreger von Krankheiten ausrichten. Ihre Wirksamkeit geht verloren. „Um dieser „Resistenzentwicklung“ entgegenzuwirken, sollten Antibiotika nur dann verschrieben werden, wenn sie wirklich nötig sind“, sagt Prof.  Eva Hummers-Pradier, Direktorin der Abteilung Allgemeinmedizin der UMG und Leiterin der klinischen Prüfung (LKP).

Die Studie der Allgemeinmedizin richtet sich an sonst gesunde Frauen, die mit typischen Anzeichen eines Harnwegsinfektes wie Brennen beim Wasserlassen und/oder häufigem Wasserlassen ihren Hausarzt aufsuchen. Insgesamt nehmen 40 hausärztliche Praxen in Niedersachsen und Bremen an der Studie teil. Daten von etwa 500 Frauen sollen ausgewertet werden.

Die Patientinnen werden per Zufall einer von zwei Behandlungsgruppen zugeteilt. Sie erhalten entweder sofort ein Antibiotikum oder ein Medikament, das Schmerzen lindert und die Entzündung hemmt. „Alle Frauen bekommen ein Medikament, das wirkt. Durch die Teilnahme an der Studie besteht kein Risiko für die Patientinnen“, sagt Projektleite-rin Gágyor. „Sollte das Schmerzmittel nicht wirken, erhält die Patientin ein Antibiotikum.“

Wenn die Studie bestätigt, dass ein großer Anteil der unkomplizierten Harnweginfekte auch ohne Antibiotika ausheilt, „könnten die Leitlinien geändert werden, so dass zukünftig ein abgestuftes Verfahren gilt. Dann muss der Hausarzt auch nicht den Vorwurf fürchten, Patientinnen mit Harnwegsinfekt eine Behandlung vorzuenthalten, wenn er zunächst ‚nur‘ ein einfaches Schmerzmittel statt eines Antibiotikums verordnet“, so Dr. Jutta Bleidorn, Institut für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover und Koordinatorin der Studie in Hannover.

„Wir möchten auch das Bewusstsein für die Verwendung von Antibiotika bei Hausärzten und ihren Patienten verändern. Weniger ist hier oft mehr“, so Gágyor. „Auch andere unkomplizierte bakterielle Erkrankungen aus dem Praxisalltag eines Allgemeinmediziners können darauf überprüft werden, ob ein abgestuftes Behandlungsverfahren möglich ist. Insgesamt trägt dieses Vorgehen dazu bei, dass Antibiotika ihre Wirkung behalten.“

chb/umg

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige