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Universitätsmedizin Göttingen entwickelt Notaufnahme-Simulator

Spielerisch in der Notaufnahme Universitätsmedizin Göttingen entwickelt Notaufnahme-Simulator

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) will ab April 2016 eine neue Software in der Ausbildung von Medizinern einsetzen. Die Simulation „Emerge“ ist komplex, sieht gut aus und soll angehenden Ärzten Schweiß auf die Stirn treiben.

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Virtuelles Behandlungszimmer bei „Emerge“.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Sven Schmitz kommt in die virtuelle Notaufnahme. Ein Dialogfeld verrät, dass er Blut erbrochen hat. Ein ernster Fall für Prof. Tobias Raupach. Er sitzt am Computer und führt die von ihm konzipierte Software „Emerge“ vor. Außer Schmitz warten keine anderen Patienten in der aufwendig animierten, drei-dimensionalen Umgebung. Es gibt mehrere Behandlungsräume.

Raupach schickt Schmitz in den virtuellen Schockraum. Der Vitaldatenmonitor zeigt ein normales EKG-Bild, aber der Blutdruck ist zu niedrig. Raupach bemüht sich, im Gespräch eine Anamnese durchzuführen: Hunderte Dialogfelder könnte er klicken, „wie in der Realität“, wo ein Arzt ebenfalls alle Möglichkeiten im Hinterkopf haben muss, erzählt Raupach. In der Simulation klickt er sich durch einen Dialog und fragt nach Medikamenten, die der Patient nimmt: Ibuprofen in hoher Dosis ist für Raupach ein Indikator für ein mögliches Magengeschwür. Er beauftragt eine Blutbildanalyse, die Ergebnisse deuten ebenfalls auf ein Geschwür hin. Und während er eine virtuelle Behandlung veranlasst, signalisiert eine kleine Meldung die Ankunft eines neuen Patienten mit Vorhofflimmern - vielleicht die Vorstufe eines Schlaganfalls. Der ist lebensbedrohlich, Raupach muss sich zwischen der Behandlung zweier Patienten entscheiden. Diese „Triage“ ist eine der größten Herausforderungen für Mediziner, erzählt er. Und schon wieder eine Meldung, der nächste Patient. Allmählich wird es stressig in der virtuellen Notaufnahme.

Das soll so sein, erklärt Raupach, denn die Software soll angehende Mediziner auf den Beruf vorbereiten. Da sei neben Faktenwissen auch Stressresistenz und ein schnelles Entscheidungsvermögen gefragt. „Emerge“ soll die Lehre an der UMG ergänzen und bisher waren die Studenten begeistert: Hannah Abdou Hadi hat Emerge getestet und fand es „herausfordernd“, gleichzeitig mache es „wirklich Spaß“. Und auch der Fachschaftssprecher der Mediziner, Sören Buchholz, freut sich, dass man in der Simulation nicht nur „Medizin erlernt“ sondern sich in einen „Kliniker reinversetzt“.

Ob die Software angehenden Medizinern hilft, soll ab April eine Studie herausfinden. Dann soll „Emerge“ auch in der Lehre eingesetzt werden. Bisher sind 250 000 Euro aus Studienqualitätsmitteln in das Projekt geflossen, an dem sich auch das Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf beteiligt.

Von Christoph Höland

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