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Unternehmensberater führt jetzt das Göttinger IWF

Instituts Wissen und Medien gGmbH Unternehmensberater führt jetzt das Göttinger IWF

Die Tage des Göttinger Instituts Wissen und Medien gGmbH (IWF) sind gezählt: 54 Jahre nach seiner Gründung wird das IWF, das früher als Institut für den wissenschaftlichen Film firmierte, zum 31. Dezember den Geschäftsbetrieb einstellen.

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Am 31. Dezember ist Schluss: das IWF wird abgewickelt.

Quelle: Heller

Die Abwicklung übernimmt ein Experte aus Baden-Württemberg, der sich auf die Sanierung und das Interimsmanagement von in Not geratenen mittelständischen Firmen spezialisiert hat. Der Unternehmensberater Horst Scherer ist seit Anfang des Monats entsprechend einem Beschluss der Gesellschafterversammlung als Interims-Geschäftsführer eingesetzt, ab Januar dann als Liquidator. Die Abwicklung des Instituts sei eine „sehr komplexe Aufgabe“, meint der Diplom-Kaufmann.

Gesellschafter der IWF Wissen und Medien gGmbH sind die zehn Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Bislang sei er noch dabei, sich einen Überblick zu verschaffen, sagt Scherer. Deshalb habe er auch noch keine konkreten Vorstellungen entwickelt. Grundsätzlich gehe es darum, einen gerechten Ausgleich für die Betroffenen zu finden. Der Unternehmensberater ist zuversichtlich, dass dies gelingt: „Dies ist mein 35. Projekt, bislang ist noch keines misslungen“, sagt der 72-Jährige.

Bei seinem vorhergehenden Projekt betreute er eine Firma, bei der ebenfalls zahlreiche Bundesländer sowie der Bund als Gesellschafter fungierten. In dem Fall sei es kein Problem gewesen, für die über 100 Mitarbeiter – ausgewiesene IT-Fachleute – neue Arbeitsplätze zu finden. Bei den IWF-Mitarbeitern dürfte es schwieriger sein. Diese seien auf ein besonderes Marktsegment spezialisiert, erläutert Scherer. Er habe sich darum bemüht, die Stellengesuche möglichst breit zu streuen und auch Personalberatungsfirmen kontaktiert. Drei frühere IWF-Mitarbeiter hätten inzwischen eine neue Stelle gefunden.

Ungeklärt ist auch noch, wo das Filmarchiv der Einrichtung verbleiben wird. Das IWF beherbergt eine der weltweit größten Sammlungen an wissenschaftlichen Filmen. Zu den besonderen Schätzen der Einrichtung gehören unter anderem zahlreiche Filme der weltberühmten Verhaltensforscher Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt sowie Aufnahmen mit den Nobelpreisträgern Otto Hahn und Werner Heisenberg. Der Liquidationsbeschluss der Gesellschafterversammlung sehe vor, dass weiterhin eine wissenschaftliche Nutzung aller Medien ermöglicht werden solle, erläutert Scherer. Wie dies konkret aussehen könne, stehe noch nicht fest. Hierbei seien auch komplizierte urheberrechtliche Fragen zu klären. Auch die künftige Nutzung des Gebäudes und des Geländes sei noch ungeklärt.

Die Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta hat der Landesregierung vorgeworfen, ihre Zusagen für das IWF nicht eingehalten zu haben. Wissenschaftsministerium Johanna Wanka müsse endlich Verantwortung für die Beschäftigten übernehmen und ein Konzept vorlegen.

Von Heidi Niemann

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