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Diskussion in Göttingen Sexy Science

Eine Wikipedia-Editorin, ein Mentalist, ein Podcast-Produzent und ein Event-Manager haben am Dienstagabend im Holbornschen Haus in Göttingen diskutiert: darüber, wie wissenschaftliche Erkenntnisse an ein großes Publikum verbreitet werden können, um dieses gegen Fake-News und Quacksalberei zu rüsten.

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Holbornsches Haus in Göttingen

Quelle: Archiv

Göttingen. „Hört auf, euch auf Facebook und Twitter zu empören. Da verschwendet ihr eure guten Argumente und Quellen“, sagte die US-Amerikanerin Susan Gerbic, Gründerin der Gruppe „Guerrilla Skepticism on Wikipedia“. Den vier „Skeptikern“ und Wissenschaftsfans geht es um effektivere Wege des Wissensverbreitung. Die Kernbotschaften des Abends: Gemeinsam muss etwas gegen Irrationalismus unternommen werden, jedes kleine Projekt ist ein Anfang, und diejenigen, die sich einsetzen und forschen, müssen Anerkennung erhalten.

Gerbic trainiert Interessierte im Verbessern und Vervollständigen von Wikipedia-Einträgen. „Wir müssen die Leute erwischen und informieren, bevor sie sich eine Meinung gebildet haben“, sagte sie. Ihr Partner Mark Edward ist seit Jahrzehnten in der amerikanischen Mentalisten-Szene unterwegs und schrieb mehrere Bücher über Täuschung: „Eine inzwischen gängige Praxis in der Geschäftswelt und Politik.“ András Pintér ist Mitherausgeber des in Ungarn produzierten „The European Skeptics Podcast“. Dabei handelt es sich um herunterladbare Hörbeiträge, die „skeptische Akivitäten in Europa“ thematisieren. Der Vierte war Liubomir Baburov aus Bulgarien: „Ich mache Events, die Wissenschaft in zugänglicher und attraktiver Art und Weise präsentieren.“ Die Gastgeber der Diskussionsrunde waren der Verein Evolutionäre Humanisten und das Organisationsteam des March for Science Göttingen, Organisator war Rüdiger Ludwig.

Als beispielhaft für Vorgänge, die einer Aufklärung bedürften, nannten sie die Leugnung des Klimawandelns, das Bezweifeln der Wirksamkeit von Impfstoffen oder die Irrlehre der Homöopathie. Für Gerbic sind die Wikipedia-Einträge über Menschen, die sich der Wissenschaft verschrieben haben, eine Form, Respekt zu zeigen. „Sie sollten unsere Superstars sein.“. Baburov erklärte, seine eigenen Veranstaltungen sollten zeigen, dass Forscher für die Gesellschaft an realen Problemen arbeiteten und wie fantastisch Wissenschaft ist. Pintér möchte mit dem Podcast Zuhörer dazu inspirieren, selbst aktiv zu werden.

Laut Edward haben „Skeptiker“ und „Leugner“ eines gemeinsam: Sie vertrauen auf Experten. Die Frage sei nur: „Was ist ein Experte?“ Die Angabe von Sekundärquellen sei entscheidend. Erkenntnisse seien erst dann unanfechtbar, wenn sie nachweislich replizierbar und damit wissenschaftlich seien. „Und wenn eine überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler herausgefunden hat, dass der Klimawandel real ist, dann sollte man dem Glauben schenken“, sagte Pintér. Baburov: „Wenn mir jemand die Beweise für etwas zeigt, bin ich bereit, an was auch immer zu glauben.“ Der richtige Weg Menschen zu überzeugen ist laut Edward nicht zu belehren, sondern beim Gegenüber „den Samen des Zweifels zu säen“ und ihn selbst entscheiden zu lassen, welche „Wahrheit“ wahrscheinlicher ist.

„Sucht euch eine kleine Gruppe von Menschen und ein konkretes Projekt, schließt es ab und sucht euch dann das nächste“, riet Edwards. Ein Zusammenkommen wie das im Holbornschen Haus sei eine Basis für Engagement. Seine Partnerin Gerbic verändere schließlich die Welt sogar von zu Hause aus und mitunter im Pyjama.“ Baburov erklärte, Wissenschaft müsse „schlichtweg interessant, verständlich, sexy“ werden.

Info: Die „About Time Tour“ der Gruppe hatte ihren Ausgangspunkt im „17. Europäischen Skeptik Kongress“ in Wroclaw, Polen. Einige Stops in Deutschland schließen sich an Veranstaltungen in Skandinavien an, und es folgen unter Anderem die Schweiz, Italien und Ungarn. Ein Livemitschnitt vom Diskussionsabend kann unter facebook.com/Gerbic angesehen werden. Spenden für die Tour sind unter fundly.com/about-time-tour-skeptical-networking-across-europe möglich.

Von Marie Niederleithinger

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