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Vom Himmel gefallen

„Campus-Ansichten“: Meteoritensammlung Vom Himmel gefallen

Die Tageblatt-Serie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um die Meteoritensammlung der Geologen dreht sich Folge 39.

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Vom kleinen Bruchstück bis zu einem 241 Kilogramm schweren Meteoriten.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Eine der ältesten Meteoritensammlungen der Welt wird von Alexander Gehler, dem Kustos des Geowissenschaftlichen Museum in Göttingen, gehütet. Seit Ende des 18. Jahrhunderts haben Wissenschaftler der Georg-August-Universität gut 1000 Stücke von mehr als 400 verschiedenen Meteoriten zusammengetragen.

„Unsere Sammlung ist nicht die größte, aber eine der wissenschaftsgeschichtlich interessantesten Kollektionen“, meint Gehler. Das erste Stück sei 1777 als Teil der Mineraliensammlung von Bergsekretär Christoph Andreas Schlüter nach Göttingen gekommen. Es handele sich um ein Stück Eisen aus Sachsen, das erst später als Meteorit identifiziert worden sei.

„Wissenschaftler hielten die Vorstellung von Steinen, die vom Himmel fielen, zunächst für absurd“, berichtet Gehler. Geistliche hätten solche mit spektakulären Lichterscheinungen und Geräuschen verbundenen Phänomene seit alters her als göttliche Zeichen oder Wunder gedeutet. Ein 861 in Japan heruntergekommener Meteorit werde bis heute in einem Schintoschrein verwahrt. Der schwarze Stein an der Kaaba in Mekka gelte als Meteorit. Das sei aber mangels verfügbarem Probenmaterial bisher nicht bestätigt worden.

„Der Physiker Ernst Chladni veröffentlichte 1794 die erste wissenschaftliche Abhandlung, in der schlüssige Argumente für den kosmischen Ursprung der Meteorite angeführt werden“, weiß der Kustos. Chladni hätte unter anderem in der Göttinger Universitätsbibliothek alte Chroniken ausgewertet und mit dem Physiker Georg Friedrich Lichtenberg über seine Ergebnisse diskutiert. „Chladnis Ausführungen überzeugten den schon zu Lebzeiten berühmten Göttinger Gelehrten Johann Friedrich Blumenbach“, so Gehler. Der Wissenschaftler habe begonnen, Meteorite zu sammeln.

„Einer seiner Schüler, König Ludwig I. von Bayern, besorgte Blumenbach ein Stück jenes 21,3 Kilogramm schweren Steinmeteoriten, der 1768 beim heute oberösterreichischen Mauerkirchen eingeschlagen war“, führt der Kustos aus. Alexander von Humboldt habe ein Stück beigesteuert, das er von einem 20 Tonnen schweren Eisenmeteoriten in Mexiko abtrennen ließ. „Blumenbach schaffte es auch einen Steinmeteoriten nach Göttingen zu holen, der 1812 in der Nähe von Erxleben bei Magdeburg vom Himmel gefallen war“, weiß Gehler. Magdeburg habe damals, wie Göttingen, zum Königreich Westphalen gehört. „Die Sammlung wurde von Johann Friedrich Hausmann, der 1811 in Göttingen den ersten Lehrstuhl für Mineralogie bekam, weiter ausgebaut“, sagt der Kustos. Der Göttinger Chemie-Professor Friedrich Wöhler, ein Pionier der organischen Chemie, habe 1860 seine eigene Sammlung beigesteuert.

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