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Von Bibel bis Bekenntnis in Luther-Dekade

Reformationsjubiläum 2017 Von Bibel bis Bekenntnis in Luther-Dekade

Mit Bibel, Beten, Bildung und Bekenntnis hat sich Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann in ihrer Rede zur Luther-Dekade befasst. Sie hielt die „Lecture“ des Evangelischen Studienhauses.

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„Zwanzig-siebzehn“ im Blick: Landesbischöfin Käßmann vor ihrem Vortrag in der Universität.

Quelle: Vetter

Missverständlich war nur ihre Antwort auf die Frage aus dem Publikum, wann ihre soeben gehaltene „Lecture“ im Internet zugänglich sei: „Zwanzig-dreißig“ – womit keineswegs, wie die zuvor häufig verwendete Angabe „Zwanzig-siebzehn“ nahe legte, eine Veröffentlichung in 21 Jahren annonciert wurde; es war die Uhrzeit gemeint. Unmissverständliche, allgemeinverständliche, ansprechende Formulierung vielmehr ist der Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers zu Eigen.

Vor einem zahlreichen Publikum – ein Umzug in einen größeren Hörsaal war erforderlich – sprach sie am Mittwoch auf Einladung des Evangelischen Studienhauses Göttingen (eshg) über das Reformationsjubiläum im Jahr „Zwanzig-siebzehn“. Über die geistreiche Begrüßung durch den Ephorus, Prof. Reinhard Kratz, freute sie sich sichtlich; auf die Bestimmung der anstehenden Rede über Bibel, Beten, Bildung und Bekenntnis als Vortrag in As-Dur, der Tonart mit vier b, muss man ja auch erst einmal verfallen.

Seit der Eröffnung der „Luther-Dekade“ im Herbst vergangenen Jahres ist die evangelische Kirche unterwegs zum Reformationsjubiläum. Weitere Jubiläen bis 2017 sind Anlass zu evangelischer Selbstvergewisserung: gegenwärtig das Calvin-Jahr, 2010 das Melanchthon-Jahr, das Cranach-Jahr 2015. Jedes Luther-Jubiläum dient(e) kirchlicher Selbstreflexion. 

Das Jubiläum 2017 sei ohne Luther-Kult zu begehen, forderte Käßmann. Und dabei seien auch Schattenseiten des Reformators zu benennen. Wo ist das Erbe auch eine Last? Die Reformation selbst dürfe jedenfalls nicht als Belastung für das gegenwärtige ökumenische Gespräch verstanden werden. Dazu verwies die Bischöfin auf die römisch-katholisch und evangelisch-lutherisch paraphierte „Gemeinsame Erklärung“ zur Rechtfertigungslehre von 2000. Allerdings hatte die erhebliche Bedenken ausgelöst – auch in der hiesigen theologischen Fakultät.

Unverzichtbar für den Weg zum Reformationsjubiläum seien die genannten vier b: Die Bibel sei ein unerschöpfliches Vademecum geistlichen Lebens, die Sprachschule des Glaubens, aber auch die zunehmend unbekannte Urkunde europäischer Kultur. Im Beten als wichtigster spiritueller Ausdrucksform – so die Bischöfin in Anlehnung an den derzeit wohl bedeutendsten Denker der Spiritualität, Fulbert Steffensky – gewinne der Mensch Konzentration, lebensdienlichen Rhythmus und Gemeinschaft mit jenen, die beten und für die gebetet wird. Mit Luther möchte sie zum einfachen Beten ermutigen. Bildung sei ein originäres Anliegen der evangelischen Kirche, weil Luther Glaube als gebildeten und verantworteten Glauben verstand. 

Beten und Bildung

Unterwegs zum Reformationsjubiläum möge die Kirche sich für den unter gesellschaftlichen Druck geratenen Religionsunterricht verwenden; wer am Religionsunterricht teilnimmt, so habe eine neuere Studie gezeigt, sei tolerant und zum Multikulturalismus fähig. Ob das freilich schon ein hinreichendes Argument „pro Reli“ ist?

Zum Thema Bekenntnis hätte man wenige Tage vor dem 75. Jahrestag des bedeutendsten Bekenntnisses des vergangenen Jahrhunderts die Erwähnung der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 erwartet; Käßmann bezeichnete das Apostolicum als einen ungehobenen Schatz: Dieses Bekenntnis verbinde Christen aller Konfessionen, Zeiten und Länder, es entlaste den einzelnen Gläubigen davon, das Rad des Glaubens neu erfinden zu müssen, es orientiere im ökumenischen und interreligiösen Dialog.

Von Karl-Friedrich Ulrichs

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