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Von glücklichen Kühen

„Landwirtschaft zwischen Idylle und Hightech“ Von glücklichen Kühen

„Sind wir in 30 Jahren alle Vegetarier?“ Diese Frage hat der Göttinger Agrarökonom Prof. Achim Spiller in der vollbesetzten Aula der Universität gestellt. Zur Ringvorlesung „Landwirtschaft zwischen Idylle und Hightech“ sprach er über die Anforderungen an landwirtschaftliche Tierhaltung aus Sicht der Gesellschaft.

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Jeder Deutsche verzehrt pro Jahr noch immer rund 60 Kilogramm Fleisch.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Rinder auf der Weide, ringsum nichts als Natur und grüne Idylle. Daneben hunderte Kühe im engen Boxenstall, angeschlossen an eine Melkmaschine. Zu Beginn seines Vortrages zeigte Achim Spiller, Professor für „Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte“ an der Universität Göttingen, diese Bilder und nahm damit nicht nur Bezug auf den Titel der Ringvorlesung sondern auch auf den widersprüchlichen Blick der Gesellschaft auf die moderne Landwirtschaft.

In den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte er die unterschiedlichen Rollen der Verbraucher in Deutschland: Konsument und Bürger. Zwar ist der Fleischkonsum in Deutschland in den vergangenen Jahren nicht mehr gestiegen, trotzdem verzehrt jeder Deutsche pro Jahr noch immer rund 60 Kilogramm Fleisch. Obwohl ein gesellschaftlicher Trend zur fleischlosen Lebensweise zu verzeichnen ist, geben nur rund vier Prozent der Deutschen an, sich vegan oder vegetarisch zu ernähren. Dem gegenüber stehen immerhin 27 Prozent der Viel-Fleisch­esser, die täglich oder mehrmals pro Woche Fleisch auf ihrem Speiseplan haben.

Diesem Konsumverhalten steht die Bürgerrolle der Verbraucher gegenüber. Hier ist eine veränderte Einstellung zum Nutztier und zur Tierhaltung zu beobachten. Die Empathie mit Tieren hat an Bedeutung gewonnen, und auch der moralische Respekt vor der Integrität und Würde der Tiere wächst. „Der Fleischkonsum wird für viele Verbraucher begründungsbedürftig“, so Spiller. „Vielen Kunden ist es enorm wichtig, dass das Tier, das auf ihrem Teller landet, vorher zumindest ein angenehmes Leben hatte.“ Diese Einstellung spiegelt sich vor allem in der Bewertung von Haltungsbedingungen wieder. Die Weidehaltung wird deutlich bevorzugt. Über 80 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass Nutztiere frische Luft und Auslauf benötigen. Boxenhaltung ist für die meisten Verbraucher nur im Winter akzeptabel.

Ein Großteil der Bürger plädiert also für naturnahe Haltungssysteme. Sie lehnen die moderne Technik ab, die für eine effiziente, nachhaltige Produktion in der Landwirtschaft unumgänglich ist. Die Bioprodukte lassen sie jedoch im Supermarkt stehen, wenn sie zu teuer sind. „Auf diese Diskrepanz zwischen der Rolle des Konsumenten und des Bürgers gilt es in Zukunft einzuwirken“, meint Spiller. „Die Agrarbranche muss die Verbraucher ernst nehmen und davon überzeugen, dass Ihren Wünschen entsprochen wird, da sie sonst mit Abwanderung und Widerspruch reagieren.“

Betrachte man nur die Konsumentenrolle der Verbraucher, könne man nicht davon ausgehen, dass die Deutschen in 30 Jahren alle vegetarisch leben, so Spillers abschließendes Fazit. Das Essverhalten ändere sich bei den meisten Menschen nur graduell und sei an Gewohnheiten gebunden. Der Fleischkonsum wird jedoch in Zukunft weniger dafür aber qualitativ besser werden. Der Trend geht zu einer gesunden Lebensweise mit mehr natürlichen Produkten. Die moderne Landwirtschaft und auch die Politik müssen dementsprechend reagieren und sich künftig diesen Herausforderungen stellen.

Der nächste Vortrag zum Thema: „Gift auf dem Teller? – Von gefühlten und realen Ernährungsrisiken“ von Prof. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstitutes für Risikobewertung, am Dienstag, 31. Mai, beginnt um 18.15 Uhr in der Aula der Universität, Wilhelmsplatz 1.

Von Sylvia Siersleben

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