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Vor allem Nagetiere sind Versuchstiere

Uni Göttingen: Tierschutz Vor allem Nagetiere sind Versuchstiere

Datenschutzbeauftragte, Zivildienstbeauftragte, Gleichstellungsbeauftragte – an der Universitätsmedizin gibt es eine Reihe von Sonderfunktionen, die dafür sorgen sollen, dass wichtige Belange der Mitarbeiter und der Patienten ausreichend beachtet werden. Einer der Sonderbeauftragten ist der für Tierschutz zuständige Prof. Hubertus Jarry. 

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Neue Verfahren: Jarry (rechts) mit Johannes Wessels, der mit Bildgebung das Wachsen eines Tumors verfolgt und am selben Tier die Wirkung verschiedener Therapeutika überprüft.

Quelle: Rinck/pid

Der Biochemiker ist gewissermaßen eine Art Ombudsmann für jene Tiere, die Wissenschaftler zu Versuchszwecken einsetzen, um beispielsweise bestimmte Körperfunktionen, Krankheiten oder Therapien zu erforschen. „Bei der medizinischen Forschung für den Menschen sind wir auch auf Tierversuche angewiesen“, sagt der Vorstandssprecher der Universitätsmedizin Göttingen, Prof. Cornelius Frömmel. „Der Tierschutzbeauftragte hat für uns eine ganz wichtige Funktion, er ist quasi das gute Gewissen des Wissenschaftlers.“

Die Aufgaben des Tierschutzbeauftragten sind gesetzlich festgelegt. So achtet er darauf, dass die Zahl der Versuche und der Versuchstiere sowie deren Belastung so gering wie möglich gehalten werden. „Vor jedem Tierversuch stehen inzwischen hohe Hürden, auch deshalb ist die Zahl der Tierexperimente seit Jahren rückläufig“, meint Jarry. 

So werde kein Tierversuch genehmigt, wenn Alternativtests mit Zellkulturen möglich seien. Diese Vorexperimente in Zellkulturen hätten gleichzeitig erheblich zur Qualitätsverbesserung der Tierversuche beigetragen. Allerdings sei die Aussagekraft der Zellkulturtests begrenzt. Die Ergebnisse könnten aber inzwischen sehr viel gezielter im Tierversuch überprüft werden.

                                                                                                                        Von Heidi Niemann

Die meisten Versuche werden an Nagetieren gemacht, weil insbesondere bei Mäusen genetische Manipulationen möglich sind. Darüber hinaus hält die Universitätsmedizin auch Schweine, Schafe, Kaulquappen, Frösche, Zebrafische, Meerschweinchen und Hasen zu Versuchszwecken. Bei den tierexperimentellen Einrichtungen würden sehr hohe Standards eingehalten, sagt Jarry. So kümmern sich über zwei Dutzend Tierpfleger um die Fütterung und artgerechte Haltung, außerdem sorgen drei Tierärzte für die medizinische Betreuung.

Leiden und Erkenntnisgewinn

Jeder Wissenschaftler, der bei seinen Forschungen auch Tiere einsetzen will, braucht dafür eine Genehmigung. Jarry berät die Forscher dabei bereits im Vorfeld. Zunächst landet jeder Antrag bei der internen Tierschutzkommission, die mit Wissenschaftlern aller relevanten medizinischen Disziplinen besetzt ist. Ist diese Hürde genommen, befasst sich eine Kommission beim Landesamt für Verbraucherschutz in Braunschweig mit dem Fall. Dieses Gremium, in dem auch Tierversuchsgegner vertreten sind, gibt dann eine verbindliche Empfehlung ab. „Im Vordergrund steht immer die Frage, in welchem Verhältnis das Leiden der Tiere zu dem möglichen Erkenntnisgewinn steht“, sagt Jarry. Wird ein Versuch genehmigt, gibt es in der Regel eine Vielzahl von Vorgaben und Auflagen.

Insgesamt sei die Göttinger Universitätsmedizin in puncto Tierschutz sehr engagiert, meint Jarry. So würden in jedem Semester spezielle tierschutzkundliche Kurse angeboten, um die Medizinstudenten mit stressfreien Behandlungsmethoden vertraut zu machen: „Da zeige ich dann zum Beispiel, wie man eine Ratte fachgerecht narkotisiert.“

Vor allem innovative Techniken tragen dazu bei, dass heute bedeutend weniger Versuchstiere benötigt werden. So lassen sich mit neuen bildgebenden Verfahren Einblicke gewinnen, für die man früher die Tiere hätte töten müssen. Auf diesem Gebiet sei die Universitätsmedizin führend, sagt Vorstandssprecher Frömmel.

Diese Verfahren der molekularen und optischen Bildgebung seien zudem sehr schonend für die Versuchstiere, sagt Dr. Johannes Wessels, Leiter der zentralen Serviceeinheit „Molecular & Optical Imaging“. Damit sei es zum Beispiel möglich, aus einer einzigen Ratte sehr viele Informationen herauszuholen. 

So könne man zum Beispiel das Wachsen eines Tumors verfolgen und gleichzeitig am selben Tier über Fluoreszenz den Effekt verschiedener Tumortherapeutika überprüfen. „So kommen wir über kurz oder lang zu einer individualisierten Therapie – auch und vor allem für den Menschen.“ Insgesamt gehe es stets darum, das Leiden der Tiere auf das absolut notwendige Minimum zu beschränken und dabei das Maximum an erforderlichen Informationen zum Wohle des Menschen zu erhalten.

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