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Vortrag: Barbara Mittler über China und die Macht der Musik

Von Oper bis Rocksong Vortrag: Barbara Mittler über China und die Macht der Musik

Ob Instrumentalmusik, chinesische Oper oder moderner Rocksong: Chinesische Musik ist immer Politik. Offen oder subtil schwingen gesellschaftliche Botschaften mit - man könne auch Propaganda sagen. Dieser These geht die Musikwissenschaftlerin und Sinologin Prof. Barbara Mittler von der Universität Heidelberg nach. Am Dienstag referierte sie unter dem Titel „Von Yao bis Mao: China und die Macht der Musik“ in der aktuellen Ringvorlesung „Ostasien und die Macht heiliger Klänge“.

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Spiel auf der Zither: Typisches Instrument der chinesischen Musik.

Quelle: dpa

Göttingen. Als „Katzenjammer“ beschrieb der französische Komponist Hector Berlioz im 19. Jahrhundert die Musik Chinas. Er war nicht der einzige, der diese Jahrtausende alte Musik nicht durchdringen konnte. Mittler arbeitete im ersten Teil des Vortrags heraus, wie Europäer die Musik Ostasiens gründlich missverstanden.

Ihnen blieb beispielsweise verborgen, dass chinesische Musik gerne eine reine, friedliche Stille anstrebt. Und das, was die Wissenschaftlerin als „heterophonische Struktur“ beschreibt – einem Musizieren zwischen Ein- und Mehrstimmigkeit – wurde damals von Harmonie orientierten Europäern als „Instrumental-Durcheinander“ erlebt.Mittlers Resümee: Das Missverständnis der Europäer entstand aus Vorurteilen und Unwissenheit gegenüber der asiatischen Musikästhetik.

Im zweiten Teil des unterhaltsamen, anschaulichen wie lehrreichen Vortrags ging die Referentin darauf ein, wie politische und gesellschaftliche Normen in die Musik Chinas eindrangen – wie sich „Macht“ in ihr manifestierte. So zementierten Musiker, die einst die Stille auf ihrem Instrument zelebrierten, zugleich die gesellschaftliche Tugend der Zurückhaltung. Dramatische Klänge könnten dagegen Kritik an den Kaisern sein. Und diese Herrscher wiederum missbrauchten „Volkslieder“ für ihre Mission.

Diktator Mao Zedong (1943-1976) sagte ganz offen, dass Musik politisch sein müsse und nutzte sie für kommunistische Agitation. Mittler zeigte, wie Maos Credo noch immer nachwirkt – bis hin zu staatstreuen Rockstars.

Der Vortrag erweckte ein wenig den Eindruck, als würde die Musik Chinas auch heute grundsätzlich ideologisch besetzt und ein Hebel der Machthaber sein. Dies ist in dieser sich so rasant wandelnden und öffnenden Kultur Chinas wohl zu relativieren.

Die dortige vielfältige Musikszene reicht aktuell von traditionell-instrumentierter Kunstmusik, Kommerz-Pop bis zu westlich inspiriertem, emanzipatorischem Underground-Punk – und dazwischen gibt es nach wie vor noch immer Musik-Propaganda.

Die Ringvorlesung „Ostasien und die Macht heiliger Klänge“ wird am Dienstag, 9. Juni, um 18.15 Uhr in der Aula am Wilhelmsplatz mit einem Konzertabend mit dem Thema „Zwischen Himmel und Erde: Musikalische Landschaften aus China“ von Nan Nan und Katja Pessl fortgesetzt.

Von Udo Hinz

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