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Göttingen Vortrag an der Uni Göttingen: Wem gehört Kultur?
Campus Göttingen Vortrag an der Uni Göttingen: Wem gehört Kultur?
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15:38 05.05.2013
Uralte Ertüchtigung: Yoga ist ein immaterielles Kulturgut, das verfügungsrechtlich schwer zu greifen ist. Quelle: afp
Göttingen

Person A, welche die Idee hatte, die Übungen in einen gut erwärmten Raum zu verlegen? Oder doch die Menschen, die die eigentlichen Übungen erfunden haben? Bei Letzterem wird es allerdings problematisch: Die gedanklichen Väter und Mütter von Yoga-Übungen sind wahrscheinlich nicht mehr unter den Lebenden, und außerdem gelten die Praktiken als kulturelle Überlieferungen.

Sind diese also überhaupt rechtlich zu schützen? Volkslieder gehören ja schließlich auch niemanden, oder? Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich die  interdisziplinäre Forschungsgruppe 772 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Unter dem Titel „Vom geistigen zum kulturellen Eigentum?

Die Problematik von Verfügungsrechten zum Schutz von immaterieller Kultur“ hielten nun Prof. Gerald Spindler und Prof. Kilian Bizer in der Reihe „Kultur als Eigentum?“ einen Vortrag an der Universität Göttingen.

Dieser ist, genau wie ihre Forschung, auf Interdisziplinarität ausgelegt. Spindler ist Inhaber des Lehrstuhls für Handels- und Wirtschaftsrecht an der Georg-August-Universität und Bizer hat die Professur für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung inne. Der eine ist Jurist, der andere Ökonom.

Bizer geht zunächst darauf ein, was überhaupt Eigentum ist. Dabei macht er darauf aufmerksam, warumEigentumstitel bei kulturellen Überlieferungen wichtig sein können:  „Die Aborigines in Australien haben traditionelles Wissen, wie Buschbrände vermieden werden können. Sie teilen es aber nicht.“

Warum sollten sie auch? Aus ökonomischer Sicht haben sie dadurch keinerlei Vorteile, meint der Ökonom. Hier sollen nach der Forschergruppe Eigentumsrechte helfen. Wenn den Aborigines solche zugesprochen werden, hätten sie ein Anreiz, ihr Wissen zu teilen, weil sie durch die Lizenzen entsprechende Gegenleistungen erhalten würden. „Auf diese Weise könnten in vielen Bereichen Innovationen gefördert werden“, so Bizer.

Der Schutz von kulturellem Eigentum ist neu

Spindler stellt den juristischen Zusammenhang her. Mit Eigentumsrecht sollen sich schon die alten Römer beschäftigt haben. Der Schutz von kulturellem Eigentum ist allerdings neu und somit schwer in bestehendes Recht einzuordnen. Um Innovationen zu fördern,  dürften nicht zu viele Lizenzen vergeben werden.

„Je geringer die Schutzhöhe, desto schwieriger ist es für andere darauf aufzubauen“, sagt der Jurist. Als Beispiel bringt er das Alphabet. Wenn dieses neu erfunden und darauf Lizenzen vergeben werden würden, müsste jeder, der etwas schreibt, beim Lizenzinhaber eine Genehmigung einholen.

Neben Marken-, Urheber- und Patentrecht geht Spindler auf die geographische Herkunftsbezeichnung ein. Diese soll am besten geeignet sein, um kulturelles Eigentum zu schützen. Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung eines Produkts erfolgen demnach in einem bestimmten geographischen Gebiet nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren.

Für kulturelles Eigentum könnte ebenfalls die Region oder etwa das Kollektiv als Rechteinhaber angesehen werden. Doch auch hier ergeben sich Probleme. Unter anderem könnten sich die Rechte von unterschiedlichen Gruppen durch ähnliche Kultur überschneiden. Außerdem müssten die Laufzeiten der Lizenzen geklärt werden. Eine ewige Laufzeit würde aber bedeuten, dass die Rechte immer bei einer Gruppe liegen würden und Innovationen erschwert werden.

Von Friedrich Schmidt

Der nächste Vortrag der Reihe ist für Donnerstag, 23. Mai, um 18.15 Uhr im Hörsaal 003 des Zentralen Hörsaalgebäudes der Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben, terminiert. Prof. Andréa Cristina Dörr spricht zum Thema „Zum Umgang von Landwirten und lokaler Bevölkerung mit der kulturellen Zertifizierung von Lebensmitteln. Eine Studie aus Brasilien“.

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