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Vortrag über Elvis Presleys Coversong „Blue Moon of Kentucky“

Blues-Mond Vortrag über Elvis Presleys Coversong „Blue Moon of Kentucky“

„Elvis Presley hat niemals einen eigenen Song geschrieben“, sagt Prof. Heinrich Detering. Eigentlich eine wirklich schlechte Voraussetzung für die Vorlesung eines Literaturwissenschaftlers. So steht doch häufig das geschriebene Wort im Zentrum des Forschungsgebietes.

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Elvis Presley bei einem Auftritt in seinem Geburtsort Tupelo in den 50er Jahren.

Quelle: dpa

Göttingen. Dass die literaturwissenschaftliche Analyse dennoch sinnvoll ist, bewies der Göttinger Professor für Neuere deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft bei dem Eröffnungsvortrag Reihe „13 Lieder. Lektüren und Analysen populärer Songs“.

Die Performance des Songs lasse sich wie ein „selbst geschriebener Text lesen“, beginnt Detering. Anhand Presleys Coversongs „Blue Moon of Kentucky“ verdeutlicht der Wissenschaftler seine Aussage. Ursprünglich schrieb der US-amerikanische Countrysänger Bill Monroe den Song 1946 – als langsamen, walzerartigen 3/4-Takt.

1954 nahm Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore und dem Bassisten Bill Black seine erste Single für Sun Records auf. Nachdem die Musiker ein Cover von „That’s All Right“ des schwarzen Blues-Gitarristen und Sängers Arthur Crudup im Sun Studio in Memphis, Tennessee, eingespielt hatten, forderte Produzent und Studioinhaber Sam Phillips eine B-Seite. Die Wahl fiel auf Blue Moon of Kentucky.

The Blue Moon Boys, wie sie sich später nannten, spielten den Song in einem schnellen 4/4-Takt ein. Zwei Gitarren, ein Kontrabass. „Ein Schlagzeug war nicht erforderlich“, sagt Detering. Der Slap-Bass – eine Spieltechnik, bei der die gezupften Saiten auf das Griffbrett zurückschlagen oder auf die Saiten geschlagen wird – übernahm die Funktion von Rhythmus- und Harmonieinstrument. Eine Spieltechnik, die kulturell und sozial verortet werden kann, sagt Detering. Bei Menschen, die zu dieser Zeit wenig Platz und kein Geld für ein Schlagzeug gehabt haben – Musik von und für Afro-Amerikaner.

„King of Rock’n’Roll“

Darüber hinaus setzt Presley instinktiv seine Stimme ein, betont und rhythmisiert – weg von der eher schnörkellosen Vorlage. Der Sänger macht aus „dem blauen Mond, einen Mond des Blues“, sagt Detering. Presley wandelt die „Country-Musik der Weißen in den Blues der Schwarzen, so der Wissenschaftler weiter. Hier geht es nicht um den Text, sondern um die Präsentation.

Die A-Seite der Platte unterstreicht Deterings These, dass Elvis in seiner Musik die ethnischen Gruppen vereint. Crudups „That’s All Right“ formt Presley von einem Blues-Song in ein Lied um, das in seiner Art vornehmlich von Weißen gehört wurde. In einer Zeit in der zwischen schwarz und weiß unterschieden wurde, schafft Presley es in zwei Minuten diese konstitutive Trennung aufzuheben, sagt Detering.

Das intuitive Arbeiten lässt sich sogar mit Presleys Kindheit erklären. So wuchs der 1935 geborene Musiker in den sozialen Slums von Tupelo auf. Einer Stadt im nordöstlichen Mississippi, in der sich die ethnischen Gruppen auch vermischten. Die Nachbarschaft in der Elvis mit seinen Eltern lebte, war erfüllt von der schwarzen Bluesmusik und dem Gospel. Prägende Jahre für den 1977 gestorbenen „King of Rock’n’Roll“. 

Von Friedrich Schmidt

Am Montag, 3. November, spricht Prof. Gerhard Lauer über das vertonte Gedicht Mondnacht. Er beginnt um 18 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude der Göttinger Universität, Platz der Göttinger Sieben 5, Hörsaal 006.
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