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Neue Einblicke in den Körper

Echtzeit-MRT Neue Einblicke in den Körper

„MRT in Echtzeit - Als die Bilder laufen lernten“ hat der Göttinger Physiker Jens Frahm seinen Vortrag über das neue Diagnoseverfahren genannt. Er stellte zum Abschluss der Vortragsreihe „Faszinierendes Weltall“ vor, wie Vorgänge im Körper mit der Magnetresonanztomografie (MRT) sichtbar gemacht werden.

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Echtzeit-MRT des Herzens mit einer Messzeit von 33 Millisekunden pro Bild und 30 Bildern pro Sekunde. Die räumliche Auflösung beträgt 1,5 Millimeter in der Bildebene (Schichtdicke 8 Millimeter). Die acht aufeinanderfolgenden Aufnahmen zeigen die Bewegung des Herzmuskels einer gesunden Testperson für eine Dauer von 0,264 Sekunden während eines einzigen Herzschlags. Die Bilder reichen von der systolischen Phase (Pfeil oben links: Kontraktion des Herzmuskels) bis zur diastolischen Phase (Pfeil unten rechts: Entspannung). Das helle Signal in den Herzkammern ist das Blut.

Quelle: MPG

Göttingen. „Wir können Vorgänge visualisieren, die wir nie dachten, darstellen zu können“, so Prof. Frahm. Der Leiter der Biomedizinischen NMR Forschungs GmbH am Max-Planck Institut für biophysikalische Chemie stellte mit eindrucksvollen Aufnahmen den aktuellen Stand der Technik vor. Bereits in diesem kurzen Zeitraum des bisherigen Einsatzes der Echtzeit-MRT konnte eine Erkenntnis gewonnen werden. Nach Frahms Angaben wurde der Fluss des Nervenwassers (Liquor) durch den Spinalkanal bisher als Ergebnis des Herzschlags gesehen. Die Aufnahmen von Frahm und seinem Team lassen Anderes klar erkennen: Der Liquor kommt durch die Lungenaktivität bei der Einatmung in Bewegung.

In nur 18 Millisekunden ist es heutzutage möglich, Bewegungen in Echtzeit darzustellen. Um das Jahr 1984 seien das noch fünf Minuten gewesen, verdeutlichte Frahm den technischen Fortschritt der Technologie. Mit dieser seien auch Herz-Rhythmus-Störungen, Schluckstörungen wie Dysphagie oder Muskelverkrampfungen bei einer Dystonie zu analysieren.

Im Grunde ist die neue Technik auf die Berechnung eines nicht-linearen Problems zurückzuführen, die Frahm und sein Team berechnet haben. In früheren Messungen war nur die Durchführung von Einzelmessungen ohne Bewegung möglich. Nun werden durch Ultrakurzwellen (UKW) die Wasserstoffprotonen des menschlichen Körpers in Bewegung gesetzt und ermöglichen Mehrfachmessungen. „Im Grunde ist das wie ein Radiosender um den Körper“, stellt Frahm das Verfahren dar.

Sein Team erforscht das Verfahren in Kooperation mit Universitäten weiter. Ziel ist es, in den Bereichen der Gefäßerkrankungen, neurologischen Erkrankungen und vielen weiteren Bereichen das neue bildgebende Verfahren einzusetzen. Frahm hofft, „dass das Echtzeit-MRT das ältere Verfahren ersetzen wird.“

Von Vincent Lubbe

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