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Gehörlosigkeit mit Star Trek erklärt

„Der stille Weltraum" Gehörlosigkeit mit Star Trek erklärt

Psychotherapeutin Dr. Mona Abdel-Hamid nutzt Szenen des Films Star Trek, um den Umgang mit gehörlosen Menschen anschaulich zu erklären. Die Psychotherapeutin sprach in einer Veranstaltung der Vertretung der Studierenden mit Beeinträchtigung (VfSB) an der Universität Göttingen.

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Szene aus der Folge „Der stumme Vermittler“ der Serie Raumschiff Enterprise: Riva (zweiter von links) ist gehörlos und hat die Aufgabe, zu vermitteln.

Quelle: r

Göttingen. Protagonisten der Untersuchungen von Abdel-Hamid sind zwei Charaktere aus der Folgeserie Raumschiff Enterprise „The next Generation“. Die Beispiele beziehen sich vor allem auf die Folge „Loud as a whisper“ (Der stumme Vermittler).

Erklärungen zu Gehörlosigkeit

Der gehörlose Riva steht als Exempel für die Möglichkeiten, aber auch Schwierigkeiten, die taube Menschen haben. Als Mediator ist es seine Aufgabe, den Frieden zu bringen. Dabei stößt er auf Hürden von Unverständnis und Rücksichtslosigkeit. Besonders problematisch wird es, als seine Dolmetscher sterben.

Adbel-Hamid schließt in ihrem Vortrag mit dem Titel „Der stille Weltraum - der Umgang mit Gehörlosigkeit am Beispiel von Star Trek“ an diese beispielhaften Szenen mit Erklärungen zu Gehörlosigkeit an. Sie berichtet von Patienten, denen sie an der LVR-Klinik Essen durch ihre Arbeit als Psychotherapeutin begegnet ist. Sie selbst hat Deutsche Gebärdensprache gelernt, um besseren Zugang zu gehörlosen Menschen zu erhalten.

Akzeptieren, wer man ist

"Ich predige werdenden Medizinern immer wieder, wie unerlässlich ein reflektiertes Verhalten bei tauben Patienten ist", betonte die Expertin, die beim Psychologischen Dienst der Universitätsmedizin Göttingen tätig ist.  Und sie gab Hinweise: Gehörlose in Behandlungen nie mit dem Rücken zur Zimmertür setzen, sie (nicht die Dolmetscher) in Gesprächen anschauen und auf gar keinen Fall ihre Hände zu ergreifen. Das sind erste Eckpfeiler. 

Abdel-Hamid veranschaulicht dies an diversen an Star-Trek-Szenen. Darunter auch eine über den blinden Navigator Geordie La Forge. Die Möglichkeit seinen Visor abzulegen und ihm ‚echtes‘ Sehen zu ermöglichen, lehnt er ab. Diese Szene bildet ein Symbol für die vieldiskutierte Debatte über Cochlea-Implantate, die Abdel-Hamid ebenfalls in ihren Vortrag erwähnt. Das Prinzip, "zu akzeptieren, wer man ist und wie man ist", bilde hier einen möglichen Therapieansatz.

Vertretung der Studierenden mit Beeinträchtigung (VfSB)

Die Vertretung der Studierenden mit Beeinträchtigung (VfSB) bietet am Dienstag, 10. Januar, wieder eine Veranstaltung an: Dann spricht Raúl Krauthausen aus Berlin über „Studieren mit Glasknochen“ um 18 Uhr im Tagungshaus Alte Mensa, Wilhelmsplatz 3.

Vielen Menschen mit Beeinträchtigung, aber auch ihrem Umfeld falle das oft schwer. So sei auch dies ein Faktor, warum es scheine, als seien Gehörlose häufiger von psychosomatischen Krankheiten betroffen. Die Vortragende untermauerte dies mit einigen Zahlen, deren Repräsentativität sie allerdings anzweifelt. Sie fordert zu mehr Forschung in diesem Bereich auf.

Abdel-Hamid erinnert abschließend: „Beeinträchtigungen kann man nicht immer sehen und wir können alle früher oder später selbst welche haben.“

Für gehörlose Besucher der Veranstaltung dolmetschte Undine Schäfer den Vortrag. Das ermöglichte zum Abschluss der VfSB-Veranstaltung eine interessante Diskussion mit der Vortragenden, gehörlosen und hörenden Besuchern.

Von Leslie Wathsack

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