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Vortrag von TV-Astrophysiker Harald Lesch in Göttingen

Materie zwischen Objekt und Betrachter Vortrag von TV-Astrophysiker Harald Lesch in Göttingen

„Ja Herrschaften, wenn Sie hier nicht mitmachen, kommen wir nicht weiter“, stichelt der Professor. Das Publikum aber lacht. Die Zuschauer haben Eintritt bezahlt, um in seine Vorlesung zu kommen. Dass sie jetzt wie gewöhnliche Studenten behandelt werden, amüsiert die meisten, lange lassen sie sich aber nicht um Antworten bitten.

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Literarisch-physikalisch: TV-Moderator und Astrophysiker Harald Lesch über Grenzen der erkennbaren Wirklichkeit.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Prof. Harald Lesch vom Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität München hält seinen Vortrag „Stefan Zweig, Thomas Mann, das Higgs-Teilchen und die Gravitationswellen“ in der Reihe „Faszinierendes Weltall“.

Lesch ist bekannt als Moderator der Fernsehsendungen „Abenteuer Forschung“ und der Terra-X-Reihe „Faszination Universum“. Kein Wunder, dass es ihn ins Fernsehen verschlagen hat, denn der 54-jährige Lesch ist ein Entertainer, das wird schnell klar.

„Kann ja sein, dass Sie hier mal durchlaufen müssen. Die Bühne ist völlig frei. Aber wenn Sie hier durchlaufen, können Sie etwas gefragt werden“, witzelt Lesch im Angesicht des überfüllten Hörsaals. Alle 500 Sitzplätze im Hörsaal 010 sind belegt, so dass zahlreiche Zuhörer auf den Stufen der Seitentreppen Platz nehmen.

Lesch hält seinen Vortrag frei und ohne Präsentation. Auch scheint der Astrophysiker und Naturphilosoph keinem festen Ablauf zu folgen, was es für den wissenschaftlichen Laien nicht immer einfach macht, die komplizierten Theorien nachzuvollziehen. Aber vermutlich geht es Lesch auch gar nicht darum, am Ende bei seinen Zuhörern ein ausgereiftes physiktheoretisches Wissen zu generieren.

Dazu sind die behandelten astrophysikalischen Lehrmeinungen auch viel zu komplex, als das sie ein einem einzelnen Vortrag ausreichend besprochen werden können. Es geht im etwas anderes, um den ersten Schritt, um Spaß und darum, Begeisterung für Forschung zu wecken.

Lesch schafft das, indem er auf unkonventionelle Weise seinen Vortrag gestaltet. Indem er sich hinter der Tafel versteckt, um zu vermitteln, dass man Dinge nicht sehen kann, wenn sich Materie zwischen Objekt und Betrachter befindet. Indem er eine Weile starr wie eingefroren steht, um zu erklären, das viele gemessene Daten nur einen zeitlichen Fixpunkt beschreiben und keinen Verlauf.

Oder indem er von seiner Vorstellung erzählt, wie im Jahr 2011 die fehlerhaften Messdaten im Teilchenbeschleuniger Cern in Zürich entstanden sind, die auf ein loses Kabel zurückzuführen waren: „Da kann man sich vorstellen, wie so eine Reinigungsfachkraft das herausgefallene Kabel einfach in irgendeine Büchse gesteckt hat, und gedacht hat, das ist hier eine große Maschine, das werden die morgen sicherlich noch mal alles überprüfen.“

Angeblich wurden damals überlichtschnelle Elementarteilchen gemessen, was die Relativitätstheorie von Albert Einstein in Frage gestellt hätte.

Erkenntnisgewinn, das vermittelt Lesch, ist eine spannende und berauschende Sache. Zum Ende seines Vortrag erzählt er deshalb von einem „kleinen Drama“, das ein geschlossenes Bild des Universums zur Folge hat: „Weißt du, was das schlimmste ist, was einem Astronomen passieren kann? Du weißtalles.“

Die Vortragsreihe „Faszinierendes Weltall“ wird fortgesetzt am Dienstag, 27. Januar, mit dem Vortrag „Das Inferno rotierender Schwarzer Löcher“ von Prof. Karl Mannheim, Würzburg, um 20.15 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude, Platz der Göttinger Sieben 5, Raum 008.

Harald Lesch im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) in Göttingen. © Hinzmann

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Von Daniela Lottmann

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