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Vortragsreihe über die Situation orientalischer Christen

„Vom Völkermord zur Gegenwart“ Vortragsreihe über die Situation orientalischer Christen

„Die Schlacht begann morgens um 4 Uhr syrischer Zeit“´: per E-Mail teilte eine Kontaktperson in Syrien das mit, fasste nüchtern die Ereignisse des Tages zusammen. Der Bericht endet mit einer Auflistung umgekommener Familien.

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Quelle: AP

Göttingen. Der Göttinger Theologieprofessor Martin Tamcke erhielt die Nachricht am 24. Februar. Er hat sie am Donnerstag seinem Vortrag „Vom Völkermord zur Gegenwart. Streifzüge und Beobachtungen zu Armeniern, Syrern und Kopten vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ vorangestellt. Das Thema findet viele Interessierte. Im Hörsaal im Theologicum sind alle 150 Plätze belegt, so dass weitere Stühle aus den benachbarten Räumen organisiert werden müssen.

Gräueltaten an Menschen aufgrund unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeiten sind kein Phänomen der Vergangenheit, macht Tamcke mit dem Vorlesen des Textes klar. Sein Vortrag eröffnet die Vorlesungsreihe „Vom Völkermord zur Gegenwart. Armenier, Syrer und Kopten“, die Tamcke mit dem Seminar für Ägyptologie und Koptologie organisiert hat. Die Reihe hat zum Ziel, die Situation orientalischer Christen in der Vergangenheit und Gegenwart zu thematisieren, einzelne Genozidereignisse zu beschreiben und Vergleiche zwischen Gestern und Heute zu ziehen.

Im Fokus seines Vortrags steht vor allem der Völkermord an den Armeniern, dessen Opferzahl auf bis zu 1,5 Millionen Menschen geschätzt wird. Die größten Massaker dieses Vernichtungsschlages durch das Osmanische Reich ereigneten sich 1915. Damit jähren sich Ereignisse dieses Jahr zum 100. Mal. Immer wieder verweist Tamcke auf anstehende Reden von deutschen Politikern, die für die nächste Zeit zum Gedenken an diesem Völkermord angekündigt wurden. Es bleibe abzuwarten, inwiefern der Begriff Völkermord benutzt werde, sagt Tamcke, und ob es von deutscher Seite deutliche Appelle an die türkische Regierung gebe, diesen Genozid auch als solchen zu bezeichnen.

Vor allem in diesem Teil seines Vortrags wird deutlich, wie sehr die Verfolgungen in der Vergangenheit auch Einfluss auf die Gegenwart haben. Etwa im juristischem Sinne. So erkläre sich die Vermeidung des Wortes Völkermord vor allem dadurch, dass das Recht auf Reparationszahlungen an diesen Tatbestand gekoppelt sei.

„Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“, liest Tamcke vor. Das Zitat aus dem Jahr 1939 stammt von Adolf Hitler. „Wer redet heute noch davon? Wir tun es“, schließt Tamcke seinen Vortrag.

Dr. Raffi Kantian, Deutsch-Armenische Gesellschaft Hannover, spricht im nächsten Vortrag der Reihe am Donnerstag, 30. April, über den Völkermord an den Armeniern. Beginn ist 18 Uhr im Theologicum, Platz der Göttinger Sieben 2, im Hörsaal T01.

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