Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Warum Menschen sprechen können, Affen aber nicht

Xlab-Science-Festival Warum Menschen sprechen können, Affen aber nicht

Affen sind die nächsten Verwandten der Menschen im Tierreich. Doch können sie auch sprechen lernen? Der Einführungsvortrag des diesjährigen Xlab-Science Festivals „Aff Sprak? Eine Einführung in die Kommunikation von Affen“ von Prof. Julia Fischer, Leiterin der Abteilung Kognitive Ethologie (=Verhaltensbiologie) am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen, behandelt dieses Thema.

Voriger Artikel
Butterbrot gefährlicher als Rinderwahnsinn
Nächster Artikel
Welcome Centre der Universität Göttingen

Essen statt reden: Nicht nur der volle Mund hindert diesen Affen am Sprechen.

Quelle: Reuters

Vor rund 130 Zuhörern, darunter Schülern aus Berlin und Kassel, im Hörsaal 08 der Fakultät für Geowissenschaften erklärte die Forscherin, inwieweit Affen untereinander kommunizieren. Fischer hat dafür unter anderem eineinhalb Jahre in der afrikanischen Savanne gelebt und einen Pavianstamm beobachtet.

Um sich dem Thema zu näher, müsse man die Sprachforschung von Mensch und Tier miteinander vergleichen, so Fischer. Sie verdeutlicht dies mit einem Satz des Philosophen Johann Gottfried Herder, der in seiner „Abhandlung über den Ursprung der Sprache“ 1772 schrieb: „Wo finge der Weg der Untersuchung sicherer an, als bei Erfahrungen über den Unterschied der Tiere und Menschen?“

Seit den 1930er Jahren gibt es verschiedene Sprach- und Entwicklungsversuche mit Affen. Zwei berühmte waren die Schimpansenbabys „Gua“ und „Viki“, die in menschlichen Familien aufgezogen wurden, teilweise sogar intensives Sprachtraining erhielten. Trotzdem hat keines von beiden gesprochen. Zudem gibt es laut Fischer „keinen dokumentierten Fall, in dem ein Affe einen völlig fremden Laut imitiert“ und in sein „Repertoire“ aufgenommen hätte.

Während man in älteren Forschungen davon ausgegangen sei, dass dies anatomische Gründe habe, bezweifelt Fischer diese Theorie: „Diese Theorie ist überholt.“ Was den Affen fehle, ist die Möglichkeit, bei der Lautproduktion über das Gehirn willkürlich den Kehlkopf zu steuern. „Sie können Geräusche machen, Warnsignale geben, aber ihre Stimme nicht willentlich leiten“, erklärt die Forscherin.

Trotzdem kommunizieren Affen, über Warnrufe beispielsweise. Dies habe sich aus evolutionären Druck entwickelt und wenig mit menschlicher Sprache zu tun, so Fischer. Da Affen weder imitieren, noch Symbole produzieren, werden sie auch niemals sprechen lernen, so Fischers Fazit.
Das Science-Festival findet dieses Jahr zum sechsten Mal statt. Es steht allen offen, richtet sich primär jedoch an Oberstufenschüler. Heute finden die Vorträge „Zum Leben erwacht: Magnetresonanz-Tomografie vom Bild zum Film“ (9.30 Uhr), „Algorithmen, die geheime Schlüsseltechnologie“ (11 Uhr) und „DNA, Peptide und Proteine: Chancen der Organischen Chemie“(14 Uhr) in der Fakultät für Geowissenschaften statt. Der Vortrag „Wilhelm und Alexander – Das Verhältnis Alexanders zu seinem älteren Bruder Wilhelm von Humboldt“, wird um 18 Uhr in der Aula am Wilhelmsplatz gehalten.
http://www.xlab-goettingen.de/

Corinna Berghahn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Amnesty-Protest auf dem Campus