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Göttingen Weiberlehen und Herrschaftspartizipation
Campus Göttingen Weiberlehen und Herrschaftspartizipation
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00:18 16.12.2016
H. Röckelein Quelle: Photographer: Timo Kirschberger
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Göttingen

Im Mittelalter war das Lehnswesen das zentrale gesellschaftliche Ordnungssystem: Der Vasall wurde von seinem Herrn mit Land oder einem Amt bedacht, sodass er seine Existenz sichern konnte. Im Gegenzug stand der Vasall seinem Herrn militärisch und auch mit Rat zur Seite. Wenn nun der Vasall verstarb oder er keine Söhne hatte, dann waren seine Witwe und seine Töchter nicht mehr versorgt. Das Lehen fiel mit dem Tod des Vasallen zurück an den Herrn, der es neu vergeben konnte. Die Familie fiel zurück in den Stand der Unfreien. Um die Versorgung dieser Familien zu sichern, wurden deshalb Ausnahmen zugelassen.

Röckelein listet mehrere Fälle, in denen nun nicht ein Mann, sondern eine Frau Lehnsnehmerin war. Im elften Jahrhundert gab es in Flandern, Italien und Frankreich schon Frauen, die in das Lehnsverhältnis eintreten durften. Im Reich nördlich der Alpen gestaltete sich die Lage schwieriger: Das „Feudum femininum“ wurde von Fall zu Fall ausgehandelt. In Fulda war das Weiberlehen besonders umfangreich ausgestaltet. In anderen Gebieten gab es größere Widerstände und Einschränkungen.

Teilweise konnte eine Tochter des verstorbenen Vasallen das Amt ihres Vaters übernehmen. Sie war aber nicht berechtigt, anders als ein Mann, das Amt weiterzuvererben. Ihre Nachkommen mussten sich also einen anderen Erwerb suchen.

In Frankreich und Italien wurden Witwen zu einer neuen Heirat gezwungen, wollten sie das Lehn behalten. Der neue Ehemann sollte dann die Waffenpflichten erfüllen, die eine Frau nicht leisten konnte.

Eine wirkliche Teilhabe an einer Herrschaft war das Weiberlehen in den meisten Fällen nicht. Vasallinnen durften nicht vor ein Gericht ziehen oder militärischen Dienst leisten. Ihre Rechte blieben eingeschränkt. Das Weiberlehen hatte deshalb mehr eine wirtschaftliche als eine rechtlich-soziale Bedeutung, resümiert die Historikerin Röckelein. Rechtlich gleichgestellt waren nur die Fürstäbtissinnen, die ihre militärischen Pflichten durch Zahlungen ausgleichen und für gerichtliche Verhandlungen einen männlichen Vertreter schicken durften.

„Bereits im elften Jahrhundert gibt es Verträge, die Frauen einbinden“, erzählt Prof. Hedwig Röckelein. Doch erforscht wird das sogenannte Weiberlehen erst seit ein paar Jahren. „Unser heutiges Thema ist ein sehr randständiges“, räumt Röckelein ein, die die einzige Wissenschaftlerin ist, die je einen Aufsatz über Weiberlehen geschrieben hat.

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