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Weltraumkameras kommen als Waldbrandmelder zum Einsatz

Staub im All, Rauch auf der Erde Weltraumkameras kommen als Waldbrandmelder zum Einsatz

Ferngläser haben ausgedient. Im Landesforst Brandenburg erkennen Kameras frühzeitig, ob ein Waldbrand entstanden ist. In fünf Bundesländern sind 180 Kameras im Einsatz wie sie ursprünglich für die Rosetta-Weltraummission konstruiert worden sind und nun auch als Fire-Watch zum Einsatz kommen.

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Fire-Watch in Baruth: Im Landesforst Brandenburg registrieren Kameras Rauchentwicklung.

Quelle: DLR

Berlin. Früher saßen Mitarbeiter des Landesbetriebs Forst Brandenburg auf den Türmen, 100 Stufen über dem Boden, das Fernglas in der Hand, und hielten an heißen Sommertagen Ausschau nach möglichen Waldbränden. Heute erledigen dies in fünf deutschen Bundesländern 180 Kameras, deren ursprüngliches Aufgabengebiet alles andere als irdisch war. "Die Kameratechnologie von FireWatch wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bereits vor 20 Jahren entwickelt. Diese basierte auf der Technologie der ROLIS-Kamera auf dem Lander Philae, die inzwischen spektakuläre Bilder vom Kometen Churyumov-Gerasimenko aufgenommen hat", erläutert Dr. Ekkehard Kührt, Kometenforscher am DLR und Wissenschaftler der europäischen Rosetta-Mission. Gleichzeitig leitet er auch das mehrfach preisgekrönte Technologietransferprojekt FireWatch.

 

Das Kamerasystem wurde weiter entwickelt und an die Erfordernisse ausländischer Märkte angepasst. Auch die Software, die die aufgezeichneten Graustufen auswertet, wurde am DLR auf der Basis von Know-How aus Weltraummissionen entwickelt. "Im All analysieren wir Kometenstaub, auf der Erde Rauchwolken", bringt Kührt den feinen Unterschied auf den Punkt. Das Waldbrandfrüherkennungssystem reagiert nämlich nicht auf Hitze oder Flammen, sondern behält die Rauchentwicklung im Auge - und das mit größerer Präzision, als das menschliche Auge dies könnte.

 

"Die Mitarbeiter auf den Feuerwachturm haben sich früher oft wie Grillhähnchen in der Hitze gefühlt", erzählt Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter im Landesbetrieb Forst Brandenburg. Die Türme waren von 10 bis 21 Uhr besetzt. "Aber optische Sensoren sind dem menschlichen Auge deutlich überlegen - die ermüden nicht und erkennen bereits viel früher und präziser eine Rauchentwicklung."

 

Innerhalb von sechs Minuten rotiert jede Kamera um ihre Achse und überwacht bis zu 700 Quadratkilometer. Dabei filtert sie aus 16000 Grauwerten auch kaum erkennbare Rauchwolken aus der Umgebung und meldet diese samt Fotos an die Waldbrandzentralen. Dort werden die Koordinaten des Brandortes automatisch berechnet und auf einer Landkarte dargestellt. Dabei soll das System früh genug warnen, aber möglichst wenige Fehlalarme auslösen. Letztendlich entscheidet der diensthabende Forstbeamte, ob es sich um einen Waldbrand handelt und wie viele Mannschaften bei der Feuerbekämpfung zum Einsatz kommen sollen. jes/eb

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