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Weltweit erstes Echtzeit-MRT an der Uni Göttingen

Blick ins schlagende Herz Weltweit erstes Echtzeit-MRT an der Uni Göttingen

Was gerade im Herzen eines Patienten geschieht, wie es pumpt, das Blut durch die Aorta fließt oder wo ein Loch in einer Herzkammer ist, zeigen Aufnahmen mit der Echtzeit-Magnetresonanztomografie (MRT). Die Universitätsmedizin Göttingen hat am Freitag ihr Forschungsgebäude „kardiovaskuläre MRT“ eröffnet und damit begonnen, die Echtzeit-MRT für die klinische Anwendung zu erforschen und einzusetzen.

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Neben dem MRT-Skyra im neuen Forschungsgebäude: Professoren Lotz, Frahm und Hasenfuß (von links).

Quelle: Heller

Göttingen. Vor fünf Jahren haben die Professoren Gerd Hasenfuß und Joachim Lotz sich über die Technologie Echtzeit-MRT erstmals informiert. Dafür mussten sie nur bis zum Max-Planck-Campus in Nikolausberg. Dort wurde die neuartige Technologie von einer Forschergruppe um Prof. Jens Frahm entwickelt. „Wir waren sofort überzeugt, dass damit neue Diagnose- und Behandlungsverfahren entstehen können“, erklärt Herzspezialist Hasenfuß. Der Direktor der UMG-Klinik für Kardiologie und Pneumologie betont, dass die neue Untersuchungsmethode, ohne Strahlenbelastung funktionieren wird.

Innerhalb von fünf Jahren will die Arbeitsgruppe die erste Herzkatheterbehandlung am Menschen ohne Röntgenstrahlung durchführen können. Außerdem soll die Echtzeit-MRT neue Möglichkeiten der Diagnostik schaffen und darüber hinaus den Zugang zu Patienten mit unregelmäßigem Herzschlag oder starker Unruhe ermöglichen, die bislang nicht mittels MRT untersucht werden können. Durch die gute raumzeitliche Auflösung der Aufnahmen soll es möglich werden, gezielte und sichere Gewebeentnahmen von krankhaften Veränderungen des Herzmuskels auch an kritischen Stellen des Herzens durchzuführen. Dies ist besonders für Kinder und Erwachsene mit unklaren Herzerkrankungen eine vielversprechende neue Perspektive.

Hasenfuß, der auch Vorsitzender des Herzforschungszentrums (HRCG) ist, sieht in der Herzforschung-Echtzeit-MRT „ein ideales Beispiel der translationalen Forschung“. Hier werde der Weg von der Grundlagenforschung zur klinischen Forschung bis zur Anwendung effektiv beschritten. Das habe auch die Geldgeber, die Medizinische Fakultät, die Politik, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das  Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), überzeugt.
Das neue Forschungsgebäude „kardiovaskuläre MRT“ liegt direkt neben dem Osteingang des Klinikums. Vier Millionen Euro hat die UMG gezahlt für das 781 Quadratmeter große Gebäude, das neben Untersuchungsräumen mit einem Elektrolabor, einem Nasslabor und einem Röntgenraum ausgestattet ist. Die Forschungseinrichtung, so Lotz, werden in Zukunft auch Gastwissenschaftler nutzen, um in Göttingen die Echtzeit-MRT kennenzulernen oder zu erforschen. Das ist Sache eines interdisziplinären Teams mit Physikern, Informatikern, Mathematikern und Kardiologen. So hat am Freitag der UMG-Stiftungsausschuss der Ruferteilung an den MR-Physiker Dr. Martin Uecker auf eine Professur auf Zeit für Echtzeit-MRT im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie zugestimmt. Uecker ist derzeit Postdoktorand an der Universität Berkeley (USA). Im Team von Frahm entwickelte er als Doktorand mit Mathematikern der Universität die Methode, fürs Echtzeit-MRT serielle Bilder zu rechnen.

Im Kontrollraum: Tanja Otto und Vera-Christine Stahnke (rechts).

Im Kontrollraum: Tanja Otto und Vera-Christine Stahnke (rechts).

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30 Bilder pro Sekunde
Sieben Tonnen schwer ist das MRT-Gerät „Skyra“. Es verfügt über die schnellste und modernste MRT für die Diagnose und Behandlung von Herzerkrankungen. „Skyra“ liefert nicht mehr nur einzelne Bilder. Die neue Technologie ermöglicht ein Rechner, der das herkömmliche MRT ergänzt: So kann das schlagende Herz oder der Blutfluss mit einer zeitlichen Auflösung von 30 Millisekunden als Bildserie oder MRT-Film mit 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden. Das Forschungsgerät hat zwei Millionen Euro gekostet, wovon die Deutsche Forschungsgemeinschaft eine Million Euro übernommen hat.
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