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Göttingen Werbung für die Universität im 18. Jahrhundert
Campus Göttingen Werbung für die Universität im 18. Jahrhundert
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20:28 23.12.2009
Wichtiges Marketinginstrument im 18. Jahrhundert: Der 1733 errichtete Reitstall der Universität an der Weender Straße. 1968 wurde er abgerissen, um dort ein Einkaufszentrum zu bauen. Quelle: Oberdieck
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Konrad Adolf Schmidt (1716-1789) besann sich auf die bis ins 17. Jahrhundert übliche Form des Stadtlobes. „Er hat die Gattung sehr geschickt auf die Gründung einer Universität übertragen“, erklärte Prof. Thomas Haye in seinem Festvortrag bei der Absolventenfeier der Philosophischen Fakultät. Der Lüneburger Schmidt zählte zu den ersten Studenten der Georgia Augusta. Er legte noch ein Jahr vor der offiziellen Gründung der Universität im Jahr 1737 hier seinen Magister ab. Im Jahr der Universitätsgründung trug er sein 378 Verse umfassendes Gedicht in lateinischer Sprache am Lüneburger Johanneum vor und es wurde zur Weitergabe auch gedruckt.

Wie Vergil einst Rom habe Schmidt Göttingen, die Universität, die Professoren, Bildung und Wissenschaft verherrlicht. So heißt es, dass „die Sterne Beifall spenden für das glückliche Göttingen, das seine Strahlen über den gewaltigen Erdenkreis verbreitet“. Die Werbung für die Hochschule kannte keine Grenzen: „Aus allen Teilen der Welt werden junge Männer nach Göttingen strömen.“

Dabei ließ Schmidt Namen der bekannten Professoren Albrecht von Haller oder Johann Mathias Gesner einfließen. Die waren für die Wahl des Studienortes ebenso wichtig wie die damals neuartige Ausrichtung der Universität nach dem Leitbild der Aufklärung. So ist auch die Religion in Schmidts Werk kein Thema, weil in Göttingen die an anderen Hochschulen übliche theologische Zensur nicht galt.

15 Verse erhielten die Professoren. Nur zwölf verwendete Schmidt auf die Bibliothek, obwohl sie „tatsächlich ein wichtiges Element für den schnellen Aufstieg der Georgia Augusta war“, wie Haye, Direktor des Zentrums für Mittelalter- und Frühneuzeitforschung, feststellte. Denn die Bibliothek stand, im Unterschied zu anderen, auch den Studenten offen. Aber im Verse-Ranking hatte der Reitstall den Spitzenplatz.

Schmidt preist den Reitunterricht und das Hippodrom in 40 Versen. „Eine gute Figur im Sattel war offenbar ungleich wichtiger als jede Vorlesung“, merkt Haye an. Und die liebliche Landschaft ebenfalls, weil sie den Studenten aus adeligen Familien beste Ausritt-Möglichkeiten bietet – damals wie heute.

Schmidt, später Professor in Braunschweig, eiferte mit seinem Gedicht dem Göttinger Philologen Gessner nach, der bereits 1734 ein Aufforderungs- oder Einladungsgedicht auf die Georgia Augusta verfasste. Das ging auch auf Laternen und Straßen sowie das Klima, das Bier und die Professoren ein – in dieser Reihenfolge. Schmidt ließ die Leuchten erneut erstrahlen. „Schon von fern präsentiert sich das im Leinetal gelegene Göttingen als ein prächtiges Lichtermeer“, dichtete Schmidt poetisch entrückt und meinte damit Laternen und professorale Leuchten.

„Das Ziel aller literarischen Aktivitäten bestand darin, die Universität bekannt zu machen“, stellte Haye klar. Gesner sorgte dafür in Deutschland und Großbritannien, Schmidt in seiner Heimatstadt Lüneburg. Möglich, dass weitere Alumni, ehemalige Studenten, an ihren Heimatorten ähnlich aktiv waren. Auch damals ging es darum, so Haye, dafür zu sorgen, dass die Studenten im Heimatland blieben. „So sollte der ,Brain Drain’ verhindert werden“, wie heute die Abwanderung von intelligenten Köpfen in andere Länder genannt wird.
Das Gewinnen von Fachkräften, „Brain Gain“, ist an Hochschulen von heute wichtiges Ziel der Werbemaßnahmen. Die sind längst nicht mehr poetisch, sondern loben faktisch. So hat die Georg-August-Universität vor allem international das Studierenden-Marketing erweitert und wirbt im Internet sowie mit Flyern und Anzeigenkampagnen in Medien. Und die Bedeutung der Werbewirksamkeit von ehemaligen Studierenden, den Alumni, hat das Marketing der Universität seit ein paar Jahren als Werbeträger im Blick. Sie sollen die Georgia Augusta natürlich in aller Welt loben – vielleicht setzt sich dabei auch die Gedichtform wieder durch.

Von Angela Brünjes

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